Berlin : Warum heißt die Schau "Sieben Hügel"? (Interview)

Viele Besucher der Ausstellung sind irritiert

Der 51-Jährige hat die Ausstellung "Sieben Hügel - Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts" im Gropius-Bau konzipiert.

Viele Besucher der Ausstellung sind irritiert und ratlos über den Titel der Ausstellung.

Das Tolle ist, dass die Zuschauer so irritiert sind, dass sie in Scharen zum Gropiusbau kommen. Es ist ja ein zweiteiliger Titel: "Sieben Hügel - Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts". Zur Zahl 7 sind wir gekommen, als wir überlegt haben, wie wir die Masse der Themen einteilen und gruppieren und erfahrbar machen für eine große Besucherzahl. Die Zahl 7 weckt in allen Kulturen Assoziationen. In Japan und China gibt es die sieben Glücksgötter, es gibt die sieben Weisen, es gibt aus der Antike die sieben Tore Thebens oder in Deutschland die sieben Zwerge. Auch die Woche ist in sieben Tage unterteilt.

Und die Hügel?

Das kam hinzu. Das Wort Hügel ist ein ironisches Spiel mit den berühmten sieben Hügeln von Rom. Wir sagen, im Zeitalter von Cyberspace und Internet ist Rom eigentlich überall. Abgesehen davon, dass es historisch so gewesen ist, dass viele Städte einmal Rom sein wollten. Aachen beispielsweise, auch Moskau und Berlin wollten auch einmal Rom sein. Heute ist das alles nicht mehr notwendig, denn man kann nach Rom kommen, ohne in Rom zu sein. Die sieben Hügel Roms sind sozusagen überall. Der wichtigere Titel ist der Untertitel. Wir haben zu formulieren versucht, welche Fragen wir im nächsten Jahrhundert stellen und welche Probleme wir lösen müssen.

Es geht das Gerücht, "Sieben Hügel" sei zufällig entstanden als ein Arbeitstitel, der sich dann aber verselbstständigte.

Zufällig keinesfalls. Es war schon Überlegung dahinter. Die Zahl "sieben" und die "Hügel" kamen irgendwann wie von selbst zueinander. Wir fanden, dass gerade die Irritation, die dadurch entsteht, ein Markenzeichen sein kann. Ich war selbst sehr skeptisch. Heute stellt sich heraus, dass gerade dieser irritierende Titel wieder Fragen erzeugt. Hätten wir das "sieben Galaxien"- oder "sieben Millennien"-Ausstellung genannt, wäre das eher langweilig geworden.

Die riesige Ausstellung erweckt den Eindruck, es handele sich um eine Gegenveranstaltung zur Expo in Hannover.

Das ist keine Gegenausstellung. Wir befinden uns in einem friedlichen Wettstreit der Ideen. Es war klar, dass beide Vorhaben Profile entwickeln müssen. Das ist in Hannover und Berlin gelungen. Deswegen werden viele Zuschauer beide Ausstellungen besuchen. Die Fragen stellte Gerd Nowakowski.

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