Berlin : Warum reißen die Klagen über Lehrlinge nicht ab?

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NACHGEFRAGT

JÜRGEN VAN BUER (54)

HUProfessor für

Wirtschaftspädagogik und Mitglied der gemeinsamen Bildungskommission Berlin-Brandenurg.

Foto: Sven Lambert

Das Ausbildungsjahr hat gerade begonnen – und schon werden wieder Beschwerden über Lehrlinge laut. Die Wirtschaft klagt über fachliche Defizite – und zunehmend über schlechtes Benehmen.

Jahr für Jahr das gleiche Bild: Die Klagen der Betriebe über die Lehrlinge reißen nicht ab. Warum ist das so?

Das Problem ist bekannt. Aber so sehr sich Lehrer auch Mühe geben, Versäumnisse der Eltern nachzuholen: Wenn Sie heute den Unterricht ändern, merken Sie den Effekt eben erst in etwa sieben Jahren.

Kann man einem Betrieb heute überhaupt noch zumuten, sich drei Jahre lang um einen Lehrling zu kümmern?

Die Ergebnisse unserer Studien bei Firmen und Ausbildungsgemeinschaften sind jedenfalls alarmierend. Jeder vierte Schulabgänger der 10. Klasse verfügt nicht über die nötigen fachlichen Voraussetzungen: Hauptschüler sind auf dem Stand der 7. oder 8. Klasse. Es besteht zudem eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass viele die Lehre abbrechen.

Sind die Schüler denn ganz allein an ihrem Versagen schuld?

Nein. Viele Eltern leben Werte wie eine demokratische Regeln nur teilweise vor. Zudem haben wir einen Trend zur Individualisierung: Jugendlichen akzeptieren die Verhaltensmaßstäbe der Älteren für sich nicht.

Hängt das Scheitern von Jugendlichen auch damit zusammen, dass sie wegen des Jobmangels etwas lernen, das sie nicht wünschten?

Wenn Sie einen Blick in die Geschichte werfen, war das oft so. Nach dem Krieg, aber auch in den Achtzigerjahren. Und trotzdem haben sich viele damals darauf eingestellt. Mehr Jugendliche müssen lernen, sich mit dem zu arrangieren, was man ihnen bietet.

Das Gespräch führte Annette Kögel.

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