Berlin : Was alles Recht ist

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber verschreibt

ein Rezept gegen Schlaflosigkeit

Zu den großen Themen, mit denen man sich in schlaflosen Nächten gedanklich befassen kann, gehört die richtige Berufswahl: Wenn man noch mal von vorn anfangen müsste – würde man eher Busfahrer oder eher Richter werden wollen? Die Busfahrerei ist in Zeiten des „Projekts Vordereinstieg“ zu einer psychischen Herausforderung geworden, also etwas für Leute mit Drahtseilnerven und hohem Abwechslungsbedarf. Richter müssen offenbar mit einem fast täglich zunehmenden Maß an Irrsinn im Alltag zurecht kommen. Oder darf man Leuten keine – sagen wir – mega-starre Auffassung von Rechthaben unterstellen, wenn sie vor Gericht das Recht durchsetzen wollen, ihre Prüfungsklausur nicht auf liniertem Papier schreiben zu müssen, weil sie immer nur auf unliniertem Papier schreiben und durch die Linien in ihrer Konzentration gestört werden (siehe Seite 14)? Der Kläger hat gute Chancen auf eine Karriere in einer Nachmittagstalkshow, der Richter könnte mit Aussicht auf Erfolg das Land Berlin auf Kostenerstattung für ein Antidepressivum verklagen. Auch die unten beschriebene Angelegenheit mit dem umzäunten Straßenbaum harrt der gerichtlichen Klärung. Erst wenn solche Fragen höchstrichterlich entschieden sind, macht Schlaflosigkeit keine Freude mehr.

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