WAS BRINGT DENN DIE AUSSCHREIBUNG? : „Wir steuern in die nächste Krise“

Foto: privat
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Werden die Fahrgäste von der Ausschreibung des S-Bahn-Betriebs profitieren?

Ja. Es ist fest damit zu rechnen, dass das Angebot kostengünstiger wird. Ohne Wettbewerb würde die Deutsche Bahn weiter ihren jetzt sehr hohen Preis für den Betrieb von den Ländern Berlin und Brandenburg verlangen können. Sinkt der Preis, können die Länder mehr Verkehr bestellen – wie zuletzt bei den Regionalbahnlinien RB 21 und RB 22.

Können dann auch die Fahrpreise sinken?

Nein. Die Tarife werden in einem sehr komplizierten Verfahren ausgehandelt. Das Ergebnis einer Ausschreibung hat darauf keinen Einfluss. Zudem gehen nach den neuen Verträgen die Einnahmen direkt an die Länder. Der Betreiber erhält einen festgelegten Zuschuss.

Wo werden die Verbesserungen für die Fahrgäste deutlich?

Der Wettbewerb führt zu Verbesserungen beim Service und der Qualität. Die Länder legen zum Beispiel fest, wie das neue Fahrzeug ausgestattet sein muss – mit einer Klimaanlage und mehr Platz für Fahrräder oder Rollstühle. Klare Vorgaben gibt es auch bei der Fahrgastinformation oder in Bauphasen für den Ersatzverkehr mit Bussen. Werden die Vorgaben nicht eingehalten, erhält der Betreiber weniger Geld.

Also wird jetzt alles gut?

Überhaupt nicht. Wir steuern unaufhaltsam in die nächste Fahrzeug-Krise. Weil der Senat die Ausschreibung um drei Jahre verzögert hat, reicht die Zeit jetzt nicht, um bis Ende 2017 neue Fahrzeuge anzuschaffen. Weil deshalb die alten Züge nochmals fit gemacht werden müssen, wird es vor allem 2016 und 2017 zu wenig Fahrzeuge geben, weil diese dann in die Werkstätten müssen. Abgesehen davon, dass es noch nicht sicher ist, ob die Ertüchtigung überhaupt gelingt, sind nur 140 alte Doppelwagen vorhanden. Benötigt werden nach Vorgaben des Senats aber 190.

Christfried Tschepe

ist Chef des Fahrgastverbandes Igeb.

Rund 1,3 Millionen

Fahrgäste nutzen

täglich die S-Bahn.

Das Gespräch führte

Klaus Kurpjuweit.

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