Berlin : Was ein Tropfen Spucke über einen Menschen verrät

Die DNA-Probe hat die Polizeiarbeit ebenso revolutioniert wie früher der Fingerabdruck / Pro & Contra: Soll es zur Verbrechensaufklärung zwangsweise Gen-Tests geben?

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Von Jörn Hasselmann

Der Gen-Test hat die Polizeiarbeit revolutioniert – so wie vor rund 150 Jahren die Entdeckung des Fingerabdrucks. Mit beiden Methoden kann ein Mensch zweifelsfrei identifiziert werden. Obwohl der Gen-Test noch eine junge Untersuchungsmethode ist, konnten damit schon viele Verbrechen aufgeklärt werden – vor allem Sexualmorde an Kindern. Viele überführte Täter gaben ihre Speichelprobe sogar freiwillig ab. „Sie unterschätzen die Fähigkeiten der Wissenschaft oder glauben, trotzdem durchzukommen“, sagt Oliver Knecht vom Landeskriminalamt.

In Berlin sind jetzt, nach dem Babyklappen-Mord, hunderte Krankenhaus-Mitarbeiter aufgefordert, eine DNA-Probe abzugeben. Im Bundesgebiet gab es schon weit umfangreichere Massentests. So führte zum Beispiel 1998 eine Speichelprobe zu Ronny Rieken: Er hatte am 16. März 1998 die elfjährige Christina Nytsch aus Strücklingen bei Cloppenburg vergewaltigt und ermordet. Drei Wochen später ging er freiwillig zum bis dahin größten Massen-Gentest in Deutschland. 18 000 wurden dabei überprüft. Vor Gericht sagte Rieken später, er habe nicht gedacht, dass er so einfach zu überführen sei. Er muss lebenslang in Haft.

Aber der Gen-Test hilft nicht nur, Verbrecher zu überführen, sondern auch, die Identität von Unfallopfern festzustellen. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York konnten die meisten Toten nur durch Gen-Tests identifiziert werden. Winzige Mengen Speichel, Blut, Sperma, Hautfetzen oder Haare reichen, um die DNA zu analysieren. Noch mit einer zehn Jahre alten Zigarettenkippe kann der Raucher herausgefunden werden – wenn ein DNA-Vergleich vorliegt. Er kann auch von Verwandten stammen.

Was Kriminalisten erfreut, verunsichert Datenschützer. Wie vor 100 Jahren verlangt wurde, von allen die Fingerabdrücke zu sammeln, um künftig alle Straftaten aufzuklären, gibt es auch jetzt „Zeitgenossen, die am liebsten die ganze Bevölkerung rastern würden“, sagt der Datenschutzbeauftragte Hansjürgen Garstka. Doch die Vorschriften, wem eine DNA-Probe entnommen werden darf, sind restriktiv. Zwei Fälle werden unterschieden: Einerseits bei Straftätern auf richterlichen Beschluss oder eben auf freiwilliger Basis zur Aufklärung von Straftaten.

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