Berlin : Was Eltern brauchen

Online-Diskussion über Wohnen in Berlin

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Schöner wohnen, das wollen eigentlich alle. Wie das allerdings auszusehen hat, darüber ist man sich nicht immer einig. Im Online-Dialog „Zusammenleben in Berlin“ diskutierten Berliner Familien vier Wochen lang darüber, wie das Wohnen in der Stadt familienfreundlicher gestaltet werden könnte. Besonders zwei Bereiche empfanden die Diskutanten als verbesserungswürdig.

Viele Eltern ärgern sich, dass es mancherorts mehr Hundewiesen als Spielplätze gibt. „Ab und zu habe ich den Eindruck, dass Friedrichshain eine einzige Hundefreilaufzone ist“, schrieb Forumsmitglied „Annama“. Die Grünfläche auf dem Boxhagener Platz werde fast ausschließlich von Hunden und ihren Besitzern besetzt, während sich Kinder auf einem kleinen, eingezäunten Spielplatz drängelten. Im Kreuzberger Viktoriapark lieferten sich Hunde und Kinder einen „regelrechten Platzkampf“, berichtete ein weiterer Teilnehmer. Echte Hundehasser meldeten sich zwar nicht zu Wort. Mancher wünschte sich aber generellen Leinenzwang.

Der Aufreger schlechthin aber ist ein Klassiker: Hundehäufchen überall. Um diese ein für alle Mal vom Gehweg zu verbannen, fordern viele Anwohner verstärkte Kontrollen und spürbare Geldstrafen. „So würde auch endlich wieder mehr Geld in die Staatskasse gespült“, heißt es.

Das ist auch das Stichwort für das nächste leidige Thema: Das städtische Leben koste zu viel. Die Bezahlbarkeit von Wohnraum wird als wichtiger Faktor von Familienfreundlichkeit betrachtet. Familien sehen sich jedoch zunehmend gezwungen, an den Stadtrand zu ziehen. Er teile diese Sorge, schreibt Rainer-Maria Fritsch, Staatssekretär für Integration, Arbeit und Soziales, der den Eltern im Forum Rede und Antwort stand. „Ich beschäftige mich intensiv mit dem Thema, weil ich auch für die Regelungen zu den Miet- und Heizkosten von Hartz-IV-Empfängern zuständig bin.“ Ein wunder Punkt für etliche Menschen beim Chatten: „Angemessenen Wohnraum“ für Empfänger des Arbeitslosengeldes II gebe es lediglich in Marzahn und Hellersdorf. Die Ghettoisierung sei programmiert.

„Der Senat sorgt dafür, dass preiswerter Wohnraum grundsätzlich in allen Stadtteilen zur Verfügung steht“, antwortete Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) online. Die Realität sehe anders aus, widersprach ihm „Single-Dad-Berlin“. Er habe alle auf der Website der Stadtentwicklungsverwaltung aufgeführten Wohnbaugesellschaften angeschrieben und nach angemessenem Wohnraum für fünf Personen, die von Hartz IV leben, in Steglitz gefragt. „Sie haben schriftlich geantwortet: Den gibt es nicht.“ Die Ergebnisse der Diskussion sollen noch dieses Jahr im Bericht des Familienbeirats veröffentlicht werden. Maris Hubschmid

Mehr Informationen unter

www.zusammenleben-in-berlin.de

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