"Was für eine Krücke" : Lädierter Weihnachtsbaum am Brandenburger Tor

Die berühmteste Ecke Berlins schmückt seit dem Wochenende eine norwegische Fichte. Doch der Baum hat unter dem langen Transportweg und der Aufstellung gelitten.

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"Was für eine Krücke". Am 20.11. wird der Weihnachtsbaum am Brandenburger Tor aufgestellt, doch dem Geschenk der norwegischen Botschaft ist der lange Transport und der Aufbau nicht gut bekommen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Doris Spiekermann-Klaas
20.11.2011 21:21"Was für eine Krücke". Am 20.11. wird der Weihnachtsbaum am Brandenburger Tor aufgestellt, doch dem Geschenk der norwegischen...

Der berühmteste Weihnachtsbaum der Welt? Das ist der vor dem Rockefeller Center in New York, traditionell eine norwegische Fichte, geschmückt mit 30 000 LED-Lämpchen und gekrönt von einem Swarovski-Stern. Die berühmteste Ecke Berlins? Das ist der Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor. Doch der Weihnachtsbaum, der dort am Wochenende aufgestellt wurde, muss nicht nur auf den Kristallstern, sondern auch manches Zweiglein verzichten. Zwar stammt auch er aus Norwegen, ein schon traditionelles Geschenk der Botschaft, zu stattlicher Höhe emporgewachsen nahe dem Weihnachtsstädtchen Drøbak am Oslofjord. Leider aber lief das nicht ganz gleichmäßig ab, an der Spitze wuchs er dicht, unten eher licht, und dazu sind offenbar Transport und Aufstellung dem Baum nicht bekommen. Einige Äste im unteren Drittel wurden abgeknickt, andere hat man, vielleicht weil sie nicht zu retten waren, abgesägt. Die norwegischen Designer, die den Baum rechtzeitig zur Adventsillumination schmücken sollen, werden sich anstrengen müssen.

Erste Reaktionen klingen nicht schmeichelhaft: „Was für eine Krücke“, hat der Berliner Bär auf Facebook gepostet. Jonas A., am Sonntagvormittag schon im touristenfreundlichen Arbeitskostüm, den Bärenkopf noch neben sich auf dem Boden, hat das Smartphone griffbereit in der Tasche und damit auch die Kommentare seiner Freunde zu den Fotos. Sprüche wie „typisch Berlin“ oder „sieht ja grausam aus“. Diplomatischer äußert sich Naved Akhtar, Tourist aus Mumbai, über den Baum: „Not in a good condition.“ Trotzdem lässt er sich vorm „Berlin Christmas tree“ fotografieren, hat auch einen Rat parat: An so exponiertem Platz sollte man den Baum rund um die Uhr bewachen.

Nun, das hätte auch nicht geholfen. Eher fragt man sich, warum Berlin nicht längst einen Weihnachtsbaumbeauftragten hat, an dessen Plazet kein Baumspender vorbeikommt. Zu Not müssten Rot-Schwarz ihren Koalitionsvertrag in diesem Punkt nachverhandeln. Außerdem: Gibt es im Handel nicht längst Weihnachtsbäume in der Dose? Einfach Deckel auf, Wasser drauf, dann heißt es nur noch einige Jahrzehnte warten.

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