Berlin : Was für Frauen

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Von David Ensikat

Hallo? Entschuldigung? Liest hier jemand? Wir sind ja schon ganz kleinlaut, wir Stadtjournalisten, wir Nichtsportreporter, wir Niewasüberfußballschreibenden. Dass das, was wir hier schreiben in diesen Tagen, überhaupt jemand liest, davon können wir ja ernsthaft nicht ausgehen. Die richtigen Fußballfans sitzen vor der Glotze und lesen gar keine Zeitung (diese Annahme wurde nicht mit den Kollegen der Sportredaktion abgestimmt, vielleicht denken die da anders), die halben Fußballfans gucken erst fern und erlesen sich dann im Sportteil der Zeitung die Deutungen, um mitreden zu können. Die Garnichtfans schließlich schämen sich ihrer Ahnungslosigkeit und lesen erst recht den Sportteil der Zeitung.

Analysen haben gezeigt, dass der durchschnittliche Zeitungsleser täglich etwa 20 Minuten mit seiner Zeitung verbringt. Wenn das mal für die Fußballberichte reicht! Für alles andere jedenfalls nicht mehr.

Um das auch Ihnen, liebe Leserin, die Sie sich in den Lokalteil verirrt haben, zu verdeutlichen: Eine Minute könnten Sie sich bis jetzt mit diesem Text befasst haben. Das geht alles von Ihrer Fußballzeit ab. Bleiben nur noch 19 Minuten für die Tabellen und Rasenberichte.

Leserin? Warum Leserin? Nun, am Sonnabend hat der Chef der Berliner Einzelhändler gesagt, dass während der Spiele fast nur noch Frauen in die Geschäfte kämen. Die Männer müssen sich ja um den Fußball kümmern. Dementsprechend gehen wir, mit Verlaub, davon aus, dass Sie, lieber Leser hier, eine Leserin sind. Aber ein schlechtes Gewissen müssen Sie deshalb nicht haben, das F-Wort kam auch in dieser Analyse sechs Mal vor. Für die restlichen F-Berichte bleiben Ihnen 18 Minuten und 30 Sekunden.

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