Berlin : Was gibt der Rabbi dem Papst?

Jüdischer Humor als Beispiel der zerstörten Vielfalt.

Darf man das: Eine Ausstellung über Humor zeigen, genau dann, wenn der Pogrome und der heraufziehenden Vernichtung gedacht wird? Ja, sagt Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien. Pünktlich zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht eröffnete sie mit Walter Schumacher, Vorstand des Deutschen Kabarettarchivs Mainz, die Ausstellung „Alle meschugge? Jüdischer Witz und Humor“ in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz.

Jüdischer Witz ist oft schwarzer Humor. Aber kann das anders sein angesichts der Geschichte, fragt Dani Levy, der aus der Schweiz stammende Filmregisseur, der nun schon viele Jahre in Berlin lebt. Aus seiner Sicht sind nicht jüdische Deutsche strenger als Juden angesichts der Frage, wo die Grenze zur Geschmacklosigkeit überschritten wird. Mit „Alles auf Zucker!“ hatte er überwältigenden Erfolg. Mit seiner Komödie über Adolf Hitler „Mein Führer“ überforderte er das Humorverständnis der Deutschen.

Die Mienen der Besucher der Ausstellung spiegeln mal eine befreiende Heiterkeit – mal die Betroffenheit über die Biografien der Kabarettisten. Auch in der Welt des Humors wurde in Mitteleuropa eine einmalige Vielfalt zerstört. Die großen Namen, die nach Weltkrieg und Shoah zumeist von den USA aus die Welt begeisterten, haben ihre biografischen Wurzeln in der jiddischen Tradition und dem Humor der 1920er und 1930er Jahre in Berlin und Wien: Billy Wilder, Mel Brooks, Barbra Streisand, Woody Allen…

Die Witze handeln von Geld, Geschäftssinn, Sexualität und jüdischen Übermüttern. Oder vom spannungsreichen Verhältnis des Judentums zum Christentum. Der Rabbi ist darin, obgleich machtpolitisch unterlegen, meist gewitzter als Priester oder Papst. Der Beweis, dass Jesus ein Jude war? Er hat das Geschäft vom Vater übernommen, lebte 33 Jahre bei seiner Mutter; die hielt ihn für einen Gott und er sie für eine Jungfrau. Und was verbirgt sich in dem Briefumschlag, den ein Oberrabbiner jedem neuen Papst überreicht? Die Rechnung für das letzte Abendmahl. Bis Jahresende ist die Ausstellung täglich von 10 bis 20 Uhr in der Landesvertretung (In den Ministergärten 6) zu sehen. Der Eintritt ist frei. cvm

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