Berlin : Was lange währt

Acht Jahre dauerte der Bau der Bundesbank-Filiale Immer noch werden dort Mark in Euro getauscht

Gerüste, Bauzäune, provisorische Gehwege, verengte Fahrbahnen: Anwohner und Passanten hatten schon das Gefühl, der Umbau des Bundesbankgebäudes in der Bismarck-, Ecke Leibnizstraße, werde eine unendliche Geschichte. Doch nach acht Jahren ist eine der dauerhaftesten Baustellen der Stadt nun beendet. Nach dem gestrigen Festakt lädt die Hauptverwaltung Berlin für Sonnabend zum Bürgerfest – auch als Entschädigung für die Anwohner. Dabei können Besucher D-Mark auch in Euro umtauschen. Denn noch immer sind 14 Milliarden Mark im Umlauf, allein in der Berliner Bundesbank-Filiale werden täglich fast 62 000 Mark umgetauscht.

Dass es dabei zeitweise sogar noch Warteschlangen gibt, überrascht selbst Banker. Was die Leute dann am Schalter aus Handtaschen, Einkaufsbeuteln und Stahlkoffern hervorkramen, sind oft Scheine, die sie nach Todesfällen in Regalen, Bücherschränken oder sonstigen Verstecken fanden. Pro Tag kommen zur Bundesbank in Berlin durchschnittlich 112 Kunden mit durchschnittlich 550 D-Mark. Viele kommen aus Mittel- und Osteuropa oder der Türkei. Sich mit dem Umtauschen beeilen muss man sich übrigens nicht: Es gibt keine Frist, nach deren Ablauf der Wechsel von D-Mark in Euro nicht mehr möglich wäre.

Vorbei aber ist es mit dem „unendlichen“ Bauen in Charlottenburg. Vom ursprünglichen Gebäudekomplex blieb nur der 1954 bezogene, denkmalgeschützte „Krügerbau“ erhalten, über Jahrzehnte Sitz der Landeszentralbank. Norbert Matysik, Präsident der Hauptverwaltung Berlin, sagt, die lange Bauzeit sei weniger den strengen Blicken der Denkmalschützer zuzuschreiben, eher habe es „enorme bautechnische Probleme“ gegeben. Gleichzeitig sei die Bundesbank neu organisiert worden, habe neue Geldmaschinen benötigt und dafür mehr Raum. Bei Abrissarbeiten eines Nebengebäudes habe sich dann auch noch unerwartet Asbest gezeigt. Sehr schwierig sei zudem die Arbeit im Untergrund gewesen: Die Gebäudeteile, die neu errichtet werden sollten, stehen bis zu 20 Meter tief, Grundwasser musste abgesenkt werden. Hinzu kam, dass sich ein Nachbargebäude leicht zu neigen begann, es wurde mit einem weiteren gekauft, abgerissen und als Bestandteil des Erweiterungsbaus neu errichtet. Der 2003 beschlossene Kostenrahmen von 232 Millionen Euro konnte trotz Verzögerung eingehalten werden.

Ende November werden hier 470 Beschäftigte arbeiten, zentral für ganz Berlin, die letzte Filiale in der Dovestraße wird dann aufgegeben. Die Hauptverwaltung hatte bereits Anfang Oktober rund 100 Mitarbeiter der geschlossenen Bundesbank-Zweigstellen Frankfurt (Oder) und Potsdam übernommen. Die Bundesbank prüft von Banken geliefertes Geld auf seine „Umlauffähigkeit“, stellt Banken Kredite bereit, außerdem bearbeitet die Berliner Hauptverwaltung jährlich rund 1000 Unternehmensbilanzen. Sie beaufsichtigt 50 Banken und Sparkassen in Berlin und Brandenburg.

Beim Bürgerfest am Sonnabend von 11 bis 18 Uhr können die Besucher viel übers Geld lernen, auch über falsches. Eine große Jubiläumsausstellung würdigt 50 Jahre Bundesbank, die Geschichte von D-Mark und Euro, es gibt Gedenkmünzen, Gewinne, Kulinarisches und Jazz-Musik. Und die Erkenntnis, dass es an der Bismarckstraße endlich wieder eine Haus- und Straßenecke gibt, die nicht hinter Gerüsten und Bauzäunen versteckt ist.C. v. L.

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