Berlin : Was leer bleibt, wird platt gemacht

Die Wohntürme sind nicht mehr beliebt. Bisher wurden 4,5 Milliarden Euro für die Sanierung von Plattenbauten ausgegeben

Klaus Kurpjuweit

Einen Abriss von Plattenbauten in großem Stil wird es in Berlin nicht geben. Nur noch 15 Prozent der 273 000 Wohnungen sind bisher nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung nicht saniert worden; 60 Prozent dagegen wurden komplett modernisiert, weitere 25 Prozent erhielten eine Teilsanierung. Rund 4,5 Milliarden Euro wurden dafür investiert. Verschwinden könnten vor allem die markantesten „Platten“ – die Wohnhochhäuser. Sie sind zwar stabil gebaut, aber bei den Mietern unbeliebt. „Und was sich nicht vermieten lässt, lässt sich nur noch abreißen“, sagt ein Experte.

Platte ist jedoch nicht Platte. Zehn Serien mit sieben Untergruppen hat es beim Bauen gegeben. Technisch seien alle Bauarten sanierbar, sagen Fachleute. Rund 25 000 Euro müssten durchschnittlich für eine Wohnung aufgebracht werden.

Bei den noch nicht sanierten Hochhäusern müsse man sich fragen, ob diese Ausgaben noch gerechtfertigt sind, heißt es in der Stadtentwicklungsverwaltung. Denn in den Gebäuden mit bis zu fast 250 Wohnungen könne man die schönsten Wohnungen anbieten, ohne einen Mieter zu finden. Die Anonymität schrecke ab.

Mieter finde man nur noch, wenn so genannte Conciergen vorhanden sind, die den Bewohnern nicht nur größere Sicherheit im Wohnhaus vermitteln, sondern auch kleine Dienstleistungen anbieten. Sie nehmen Pakete entgegen, verwahren Schlüssel oder pflegen bei Abwesenheit der Bewohner deren Blumen und Haustiere. Außerdem müssten die oft engen Flure, die Unsicherheit erzeugen können, besonders überwacht werden. Da auch der Sanierungsaufwand bei den Hochhäusern über dem der „Kleingeschosser“ liegt, ist die Rechnung klar: Abriss ist besser als Sanierung.

Glück habe man, weil die DDR beim Bauen der Wohnsiedlungen einen Wandel vollzogen habe und vom Hochhaus abgekommen sei. Während Marzahn mit seinen vielen Wohntürmen einen hohen Leerstand habe, seien die anschließend gebauten Fünfgeschosser in Hellersdorf vergleichsweise gut zu vermieten. Dabei ist dort der Komfort oft schlechter, denn die Gebäude bis zu fünf Etagen haben in der Regel keinen Aufzug. Sogar „Fünf- plus Ein-Geschosser“ durften mit einer Ausnahmegenehmigung ohne Aufzug zusammengebaut werden.

Entscheidend für die Nachfrage sei aber auch das Umfeld, sagen die Experten weiter. Anlagen im Grünen lassen sich leichter vermieten, als Wohnungen in Betonwüsten. Auch Farbe an den Fassaden könne hier nicht viel ändern. So gebe es im wasser- und grünreichen Köpenick kaum Leerstände. Gerechnet habe sich daher auch der vergleichsweise hohe Aufwand bei der Sanierung der ältesten Plattenbauten in Treptow. Auch diese vier- oder fünfgeschossigen Bauten seien auf dem Markt begehrt.

Sanierte Plattenbauten brauchen sich hinter herkömmlichen Gebäuden nicht zu verstecken. „Sie halten hunderte von Jahren – wenn die Mieter es wollen“, so ein Experte.

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