Was machen wir heute? : Einfach nur mal kicken

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann

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Junge Talente haben es nicht leicht in diesem Land. Vor allem, wenn sich das Talent darum dreht, das Runde ins Eckige zu kicken. Zwar schwärmen jetzt alle von den deutschen Fußballfrauen. Doch die Mädchen und Jungen, die mit ihren Freundinnen und Freunden einfach mal Fußball spielen wollen, tun sich schwer, einen geeigneten Platz zu finden.

Dabei sind Tom und Linda eigentlich privilegiert. Einmal über die Straße rüber, schon stehen sie vor dem Bolzplatz. Der wurde vor einigen Jahren neu angelegt – mit schalldämmendem Bodenbelag und hohen Zäunen, die an Guantanamo erinnern. Diese verhindern, dass die Bälle auf den nahe gelegenen Spielplatz oder auf die Straße fliegen. Sie sorgen aber auch dafür, dass Menschen nach Ende der offiziellen Spielzeit nicht widerrechtlich auf den Platz gehen.

Denn nach 20 Uhr und sonntags darf dort keiner spielen. Dafür sorgt der Schließdienst, der abends die Runde macht. Das ist neu. Jahrelang ging es ohne Security. Doch diese Zeiten sind vorbei. Vermutlich haben Nachbarn die Behörden auf den Plan gerufen. Leider hält sich der Security-Mann selbst nicht an die Regeln. Meist kommt er zu früh und drängelt. Gelegentlich macht er sich den Spaß, die Kinder vorübergehend einzuschließen. Wahrscheinlich wird sich demnächst irgendein Elternteil den Spaß machen, den Mann vom Schließdienst deshalb anzuzeigen.

Alternativen? Schwierig. Auf der Wiese im Park liegen Hundehaufen, im Innenhof hallen die Geräusche zu laut nach. Schade. Dabei gäbe es eigentlich jede Menge Plätze, auf denen man spielen könnte – in den Schulen. Mit öffentlichem Geld gebaut, liegen sie nach Schulschluss brach. Nachmittags, abends, samstags, sonntags, in den Ferien. Welche Verschwendung.

„School’s out“, hat Alice Cooper 1972 gesungen. Ich finde, die neue Parole muss lauten: „Schule auf“! Für immer! Heike Jahberg

Viele Fußballvereine bieten Sommercamps an, auch für Nicht-Mitglieder. Einfach im Internet nachsehen.

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