Was macht die Familie? : Apfelmus mit Argumenten

Wie ein Vaterdie Stadt erleben kann.

von

Seit Lina in den Kindergarten geht, kommt ihr starker Charakter noch besser zum Ausdruck. „Mir gefällt’s nicht so im Kindergarten“, sagt sie mir schon morgens beim Aufstehen. Ich tue jeden Tag aufs Neue ungläubig überrascht und erwidere Dinge wie: „Aber du musst in den Kindergarten, weil Mama und Papa arbeiten gehen.“ Woraufhin Lina je nach Tagesform erwidert, sie wolle allein zu Hause bleiben oder heute sei Wochenende. Ich bin kein besonders geschickter Verhandler, schon gar nicht morgens um sieben. Es beunruhigt mich, wenn mir gegenüber einer Zweieinhalbjährigen die Argumente ausgehen. Noch ein Jahr und sie wird mich in Grund und Boden diskutieren. Früher dachte ich, das kommt erst mit der Pubertät.

Irgendwie schaffen wir es dann doch immer in den Kindergarten, in dem es mir offenbar besser gefällt als Lina. Ich halte ihn für genial in Anbetracht der Umstände. Die Umstände, das sind zwei Erzieherinnen für 19 Kinder und immer neue Spendenaufrufe, weil das reguläre Budget offenbar nur für die reine Aufbewahrung der Kinder reicht. Jenseits dessen gibt es kleine Wünsche wie Kopierpapier, um Projekte zu dokumentieren. Dazu kommen mittelgroße wie das aktuell geplante Spielhaus für 2100 Euro. Noch deutlich ambitionierter ist die für 2015 geplante Veranda, die als zusätzliches Spielzimmer ausgebaut werden soll. Dafür wurde auch vorige Woche beim Herbstfest gesammelt, auf dem die Kinder hausgemachte Lavendelseife, Creme aus selbst gepflücktem Johanniskraut und ebenfalls selbst gemachtes Apfelmus verkauft haben. Die Äpfel dafür haben sie aus dem Garten des nahen Forsthauses geholt, und beim Mus haben die 90-jährigen Großeltern einer Erzieherin geholfen. Aber bis damit die Veranda bezahlt ist, werden wohl noch sehr viele Äpfel zermatscht werden müssen. Stefan Jacobs

Ein schlauer Berliner hat ein Tool erfunden, bei dem sich mit Einkäufen in mehr als 1500 Onlineshops (u. a. bei Amazon und Ebay) spenden lässt – ohne Extrakosten für den Käufer! Mehr dazu: www.bildungsspender.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar