Was macht die Familie? : Auf Heimweh hoffen

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann

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Jan und Josefine fahren in diesen Ferien für 14 Tage mit den Pfadfindern in den Odenwald. Beide freuen sich auf das Camp; schließlich sind sie mit fast zehn Jahren im besten Alter. Nur uns Eltern fällt das nicht so leicht; natürlich verziehen wir keine Miene. Jan hat für solche Sentimentalitäten ohnehin nur ein mitleidiges Lächeln übrig.

Für ihn ist das Ferienlager eine Kleinigkeit, auch wenn er noch nie so lange von Zuhause weg gewesen ist. Auf die Frage nach wenigstens einem klitzekleinen bisschen Heimweh zuletzt während des viertägigen Pfingstcamps erklärte er nur mit kalter Verachtung: „Von mir aus hätte das vier Monate dauern können.“ Mir wurde weh ums Herz.

Ferienfahrten beschleunigen offensichtlich den Reifungsprozess. Das wurde uns schnell klar, als wir Jan nach seiner Klassenreise zum Abschluss des vierten Schuljahres wieder in Empfang nahmen. Mit dunklem Organ und ernster Miene begrüßte uns das Kind: „Ich hatte Stimmbruch.“ Beeindruckt machten wir mit ihm sogleich den Test: „mimimimi“ und „einszweieinszwei“ und „alle meine Entchen“. Die nächsten fünf Minuten blieb es beim knabenhaften Alt. Beim nächsten Streit mit der Zwillingsschwester allerdings rutschte die Stimme wieder eine Oktave höher in ihre gewohnte Lage.

Aber auch Josefine testet ihre künftige Erscheinung gern aus, spielt junge Dame. Auf die erwartungsvolle Frage nach der Meinung ihres Bruders folgte dann die Ernüchterung. „Eigentlich siehst Du nur wie ein erwachsener Zwerg aus,“ antwortete Jan brutal. Der pubertierende Cousin reagierte da sensibler auf Jans Frage nach dem ersten Flaum: „Nein, man spürt gar nichts. Ja, irgendwann fängt es von allein zu wachsen an.“ Mit gesteigerter Erwartung werden wir die Kinder am Ferienende zurück erwarten. Vollbart wird es schon nicht sein. Nicola Kuhn

Die Pfadfinderschaft Sankt Georg bietet Ferienlager für Kinder an Infos unter. www.dpsg.de

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