Was macht die Familie? : Besinnlich werden

Wie ein Vaterdie Stadt erleben kann.

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Himmel, jetzt brennt schon das dritte Licht! Die Vorweihnachtszeit macht ganz besinnungslos. Wir hetzen von einer Adventsveranstaltung zur nächsten: Am vergangenen Sonntag hatte Emma, unsere Elfjährige, ihr Weihnachtskonzert mit der Musikschule. Am Dienstag war Gretas Auftritt beim Sportverein mit ihrem Akrobatikkurs, dann folgte die Choraufführung ihrer zweiten Klasse in der Schulaula, abends ging es weiter zur Betriebsfeier. Zwischendurch müssen noch ein paar Geschenke besorgt werden, im Vorbeigehen ein Gläschen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, die Runden mit den Kindern auf dem Karussell lasse ich ausfallen – es dreht sich sowieso schon alles.

Andere finden die Ruhe, persönliche Weihnachtskarten zu gestalten. Von überall trudeln die liebevollen Grüße zur Adventszeit ein, versehen mit aufwendig arrangierten Fotos von fröhlichen Kindern und Eltern, die rote Weihnachtsmützen tragen und einem aus ihrer Familienidylle entgegenlächeln. Was für eine Zumutung. Nicht auszuhalten.

Wieso kriegen wir das nicht hin? Dazu kommt noch dieser wahnsinnige Druck, zwischen all den Jahresrückblicken irgendwie selbst eine Bilanz zu ziehen. Man möchte sich vielleicht mal hinsetzen und innehalten, um sich nicht nur die schönen gemeinsamen Erlebnisse in Erinnerung zu rufen, sondern auch zu resümieren, was man als Familienmensch so geleistet hat. Meine Kilometerbilanz als Chauffeur für die Kinder fällt beeindruckend aus. In den Kategorien Wäschewaschen, Essenkochen, Schulbrote schmieren und Hausaufgabenhilfe stehe ich gegenüber meiner Frau allerdings in beschämendem Rückstand. Aber wozu alles aufrechnen?

Die knappe Zeit ist besser dafür genutzt, positive Stimmung zu erzeugen, dieses wohlige Gefühl der Erwartung zu verbreiten, die unsere Herzen für das heilige Fest öffnet, beim gemeinsamen Plätzchenbacken zum Beispiel. Das war schön. Alle bemühen sich nach Kräften, diese besondere Weihnachtsatmosphäre zu beschwören. Am meisten Greta. Mit großem Ehrgeiz und schauspielerischer Finesse versucht sie, uns vor der Ahnung zu beschützen, dass ihr Glaube an Nikolaus und Weihnachtsmann langsam, aber sicher schwindet. Nur einmal am Nikolausmorgen hat sie gepatzt, als sie den Zehn-Euro-Schein aus ihrem Stiefel zog. „Von Oma!“, rief sie. Aber sofort wurde korrigiert. „Ich meine natürlich: vom Nikolaus!“ Stephan Wiehler

Wissenschaftliche Beweise für Weihnachtswunder werden Kindern ab 5 Jahren im Planetarium am Insulaner, Munsterdamm 90 in Schöneberg, verraten: „Das Geheimnis des Weihnachtssterns“, am 21./23./25. und 26. Dezember, Anfangszeiten variieren. Infos unter planetarium-berlin.de oder Tel. 030/790 09 30

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