Was macht die FAMILIE? : Das Axolotl besuchen

Im Baumarkt kann man sich mit einem Kleinkind gut die Zeit vertreiben

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In ihrer mexikanischen Heimat sind Axolotl immer seltener zu finden - sie gehören inzwischen zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten.
In ihrer mexikanischen Heimat sind Axolotl immer seltener zu finden - sie gehören inzwischen zu den vom Aussterben bedrohten...Foto: Jan-Peter Kasper/ picture alliance / dpa

Mein Sohn weiß im Moment nicht so recht, ob er eigentlich ein „kleines Baby“ oder „ein großer Junge“ sein möchte. Das ändert sich im Minutentakt. Manchmal sagt er auch: „Ich bin ein Mädchen.“ Er ist übrigens „zwei Jahre alt, Juni Burtstag.“ Was er aber genau weiß: Nach der Kita will er nicht einfach nach Hause fahren. Grundsätzlich nicht. „Wo jetzt hingehen?“, fragt er jeden Nachmittag gleich nach dem Begrüßungskuss. Manchmal habe ich dann tatsächlich einen guten Plan: Eine Verabredung mit Freunden zum Beispiel. Wenn wir im Sommer, Frühling oder Herbst bei nicht allzu schlechtem Wetter nichts Besonderes vor haben, bleiben wir einfach im Gleisdreieckpark. Durch den müssen wir sowieso. Aber wohin im Winter, wenn es kalt ist, nieselt und auch bald dunkel wird?

Schon im letzten Jahr haben wir einen etwas merkwürdigen Ort als brauchbares Kleinkind-Nachmittags-Winter-Ziel entdeckt: den Baumarkt, an dem wir vorbeikommen, wenn wir auf dem Nachhauseweg einen kleinen Schlenker machen. Wenn ich Menschen ohne Kinder davon erzähle, ernte ich meist schräge Blicke und ungläubige Nachfragen. Kann ich gut verstehen, vorher wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, dort freiwillig Zeit zu verbringen.

Zum besseren Verständnis erzähle ich dann, was wir da im Baumarkt so alles machen: Als Erstes leihen wir uns am Eingang einen Kinderauto-Einkaufswagen aus, in dem mein Sohn endlich mal selbst der „Autofahrermann“ sein darf. Damit geht es zur Kinderbuchecke (die gibt es wahrscheinlich nicht in jedem Baumarkt, aber in „unserem“ schon). Da blättern wir ein bisschen in den Büchern, manchmal kaufen wir eins, manchmal auch nicht. Dann geht es brumm-brumm weiter an den Zimmerpflanzen vorbei, wo wir seit Neuestem manchmal sogar über Pflanzenarten reden. („Welche Blume ist das?“ „Farn“ „Welche Farn ist das?“ Dann lese ich das Schild am Regal vor, manchmal reicht das als Antwort).

Dann kommt der beste Teil: Ganz hinten in der Ecke ist sozusagen ein kleiner Zoo: Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse, Fische, Vögel, Amphibien und Reptilien. Mit Staunen beobachtet mein Sohn, wie ein Angestellter auf eine Leiter steigt und Fische mit einem Kescher für einen Käufer aus einem Aquarium holt.

Bei den Kaninchen reden wir darüber, ob wir gerade „Mama Hase“ oder „Papa Hase“ angucken (zum Glück steht immer dabei, ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist) und wo die Hasenkinder sind („Mama Hase hat gerade keine Kinder“ „Warum?“ „Weil Hasenkinder schnell groß werden.“ „Warum?“ An dieser Stelle lenke ich ihn gern ab). Eine Maus liegt in einer Art Hängematte. „Da! Schläft“, sagt der kleine Tierbeobachter zufrieden.

In einem Aquarium schwimmt ein Axolotl. Ich wusste zwar spätestens seit Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ ungefähr, wie diese Tiere aussehen. Aber in natura habe ich noch nie eins gesehen. „Guck mal“, sage ich aufgeregt zu meinem Sohn, „Das sieht aus wie eine Mischung aus Fisch, Kaulquappe und Eidechse. Sind die kleinen Füßchen nicht niedlich? Und die lustige Frisur!“ Aber mein Kind kann nicht recht nachvollziehen, warum ich ausgerechnet dieses Tier so interessant finde. Schließlich sind für ihn auch echte Kaninchen fast so neu wie für mich ein Axolotl. „Sollen wir ein Axolotl kaufen?“, frage ich ihn. „Nein“, sagt er trocken. Na gut, dann nicht. Eigentlich praktisch, dass mein Zweijähriger (noch) vernünftiger ist als seine Mutter.

Zum Schluss drehen wir noch eine Runde im Kinderauto vorbei an Werkzeug und Bauarbeiterhelmen („Ich bin auch ein Bauarbeitermann“ – zum Glück gab’s zu Weihnachten schon einen Helm, deshalb müssen wir keinen kaufen). In dem kleinen Bäckerei-Café neben dem Ausgang stärken wir uns mit Brezeln und Kakao, bevor ich das Kind unter nur noch schwachem Protest nach Hause bugsiere.

Baumärkte verschiedener Ketten gibt es eigentlich überall in Berlin. Axolotls kann man auch in Zoo und Tierpark besuchen

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