Was macht die Familie? : Das Lotterleben genießen

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann.

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In unserem Haushalt ist das Lotterleben eingezogen. Zumindest bei unserer Tochter. Wahrscheinlich weiß sie gar nicht mehr, was morgendliche Hektik ist. Wenn mein Mann und ich uns auf dem Weg zur Arbeit machen, dreht Charlotte sich in Seelenruhe noch einmal im Bett um. Früh aufstehen – was ihr noch nie leicht fiel – gehörte definitv in eine andere Phase ihres Lebens. Und diese ist beendet.

„Elf Wochen ohne Schule“ verkündete Charlotte am Montag. So ganz stimmt das nicht. Mitte März war zwar der letzte Unterrichtstag, aber es folgten noch die nicht ganz unwichtigen Prüfungen fürs Abitur. Aber die Regelmäßigkeit war bereits passé. Vermisst hat sie die Schule bislang nicht, obwohl es zu Anfang schon ein bisschen komisch war, nicht mehr fest eingetaktet zu sein und mit dem zeitlichen Korsett eines Stundenplans zu leben. Diese Unabhängigkeit fühlt sich anders an als früher die Ferien. Denn nach diesen ging es wieder weiter wie gehabt. Jetzt ist alles offen.

Eigentlich zum ersten Mal in ihrem Leben. Schon als Einjährige hatte Charlotte einen geregelten Tages-, Wochen- und Jahresablauf. Ich erinnere mich gut an den Tag, als ich mein kleines Kind das erste Mal zur Tagesmutter brachte. „Jetzt beginnt auch ihr Alltag“, war mein Gedanke. Denn mir war klar, so geht es immer weiter. Jahrzehntelang über Kindergarten, Schule, Studium/Ausbildung, Arbeit bis zur Rente. Die beginnt ja auch immer später.

Deswegen ist so ein kleines Intermezzo des Nichtstuns, eine Zeit, in der man mal nicht funktionieren muss, ganz schön. Der regelmäßige Stress kommt schon früh genug wieder. Ein wenig zu tun gibt’s derzeit ja auch. Beispielsweise muss man sich Gedanken machen, wie die Zukunft aussehen soll. Bei vielen Abiturienten sind die Vorstellungen noch sehr vage und könnten durchaus ein wenig präziser gefasst werden. Und man muss natürlich zusehen, dass diese Zukunft auch realisiert werden kann. Beispielsweise, wenn man studieren will. In Berlin haben fast alle Studiengänge einen NC, so dass man sich nicht einfach einschreiben kann, sondern sich bewerben muss. Da sind etliche Fristen zu beachten. Charlotte hat die erste Bewerbung schon hinter sich gebracht, obwohl sie ihr Abiturzeugnis noch gar nicht in den Händen hält.

Das gibt’s erst Ende kommender Woche. Danach ist der Abiball. Der ist in diesen Wochen der Freiheit der wichtigste Termin. Sigrid Kneist

Kopien der Zeugnisse werden bei Bürgerämtern kostenpflichtig beglaubigt; aber auch Kirchengemeinden haben ein Dienstsiegel. Dort erhalten die Mitglieder die Beglaubigung meistens umsonst.

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