Was macht die Familie? : Den Regenwald besuchen, so lange er noch steht

Im November 2017 stirbt der nächste Urwald, dann schließt die Biosphäre in Potsdam. Unser Kolumnist hat vorher mit seiner Familie noch einen schönen Tag verbracht.

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Im Reich der Schmetterlinge. Das Schmetterlingshaus gehört zu den Höhepunkten der Biosphäre. Foto: Manfred Thomas
Im Reich der Schmetterlinge. Das Schmetterlingshaus gehört zu den Höhepunkten der Biosphäre.Foto: Manfred Thomas

Der Regenwald, das ist Allgemeinwissen und leider kein so schöner Anfang für diesen Text, stirbt jeden Tag ein bisschen. Ob für Tropenhölzer, Bodenschätze oder Sojaanbau als Tierfutter für den wahnsinnigen Fleischkonsum der Welt. Wann der von hier aus nächste Regenwald stirbt, lässt sich sogar ziemlich genau sagen. Es ist der 30. November 2017. Wie er stirbt, ob er auch abgeholzt oder vielleicht noch in einer lebensverlängernden Maßnahme verpflanzt wird, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall wird dann die Biosphäre in Potsdam geschlossen und in eine Mehrzweckhalle verwandelt. Nur die Todesursache ist die gegenteilige: Während in die großen Regenwälder zu viele eindringen, sind es bei der Biosphäre zu wenige.

Vielleicht zieht aber das nahende Ende doch noch einmal mehr Menschen an als bisher, 160 000 waren es im Jahresschnitt, mit 300 000 hatten die Betreiber jedoch geplant. Jeder hat eigene Erwartungen, aber ich kann sagen, dass wir dort einen wirklich guten Tag verbracht haben mit unserem damals drei Jahre alten Sohn. Womöglich ging auch unsere Tagestaktik perfekt auf. Am Anfang stand eine strategische Portion Pommes. Da ging die Stimmung schon einmal nach oben, zumal wir nicht das Gefühl hatten, unseren Sohn mit Fettgebackenem abzuspeisen, sondern mit einer guten Mahlzeit. Die Pommes heißen hier irgendwas mit Farmhaus und das klingt natürlich nach Basislager für den bevorstehenden Weg in die Welt der Tropen.

Die Biosphäre ist im Grunde ein schöner, schwülwarmer Spaziergang vorbei an Pflanzen, Vitrinen mit exotischen Tieren, Erklärtafeln und einem Schmetterlingshaus als Zwischenhöhepunkt. Davon hatten uns schon Freunde vorgeschwärmt. Und richtig, wo sieht man schon mal Tiere um sich herumflattern in Farben, von denen man bisher nicht wusste, dass es sie gibt? Unser Sohn konnte sich nicht ganz so sehr dafür begeistern, vielleicht auch, weil hier Schmetterlinge herumflogen, die größer waren als sein Teller mit Farmhausfritten. Mehr angetan haben es ihm dafür die Schläuche, in die man seine Nase halten kann, um tropische Gewächse zu erschnuppern wie Kakao oder Kokos. Oder die Wasserfontäne, die man selbst erpumpen kann. Und der Teich mit Fischen und Schildkröten am Gipfel des Aufstiegs.

Im Namen meiner Familie kann ich daher sagen: Auch um diesen Regenwald ist es sehr schade.

Biosphäre Potsdam, Georg-Hermann-Allee 99, Öffnungszeiten Montag bis Freitag 9–18 Uhr, Samstag und Sonntag 10–19 Uhr, im Sommer vom 21. Juli bis 4. September am Donnerstag von 9–22 Uhr, langer Sommerabend mit Vorlesen und Grillen. Eintrittspreise: Kinder zwischen 3 und 5 Jahren 4,50 Euro, zwischen 5 und 13 Jahren 7,80 Euro, Erwachsene 11,50 Euro.

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