Was macht die Familie? : Die Liebe entdecken

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann.

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Über das Privatleben meiner Söhne darf ich nicht mehr schreiben, weil ihnen das peinlich ist. Aber ich darf ja wohl ein Gespräch wiedergeben, das kürzlich an unserem Tisch zwischen den Jungs, nennen wir sie Lennart und Patrick, geführt wurde. Es ging um die Liebe, und ich habe daraus viel gelernt.

Zum Beispiel: Unter Zwölfjährigen gibt es richtig ernsthafte Beziehungen mit richtig ernsthaften Trennungsgründen.

„Selina hat mit Henry Schluss gemacht“, erzählte Lennart zwischen Käsebrot und Möhre.

„Warum?“

„Weil er ein Egoist ist, sagt Selina. Er hat nie gefragt, wie es ihr geht, sondern hat sich nur darum gekümmert, wie es ihm geht.“ Kluges Mädchen, dachte ich. Frauen können gar nicht früh genug damit anfangen, die Männer zu durchschauen.

„Und wie geht es Henry jetzt?“, warf ich ein.

„Er will sterben“, sagte Lennart gleichmütig. „Das hat er gerade auf Facebook gepostet.“

„Hat denn in eurer Klasse schon einer eine Freundin?“, fragte ich den kleinen Bruder, neun.

„Ja, Jan.“

„Wen denn?“

„Klara, Lena, eigentlich fast alle Mädchen aus der Klasse.“ Toll!, dachte ich. Männer können gar nicht früh genug damit anfangen, einen Harem aufzubauen.

„Luis dagegen hasst Mädchen“, erzählte der Kleine weiter.

„Woher weißt du das?“

„Ich hab’ gesehen, wie er Anja in die Fresse geschlagen hat! Das sollte man doch nicht tun. Es könnte ein Lehrer in der Nähe stehen.“

„Und warum musste Luis sich gegen Anja wehren?“, fragte ich.

„Na, weil sie in ihn verliebt ist!“

Stimmt, dachte ich. Man kann, egal ob Mann oder Frau, gar nicht früh genug damit anfangen, Zudringlichkeiten vorzubeugen, am besten durch einen kurzen und entschiedenen Schlag in die Fresse.

Wenige Tage danach wurde ein Sohn krank. Am frühen Nachmittag standen gleich vier Mädchen vor der Tür, die sich nach seinem Befinden erkundigten. Der Sohn, im Pyjama, ergriff die Flucht. Ich dagegen dachte an das Gelernte, schlug allen vieren in die Fresse und wollte gleich darauf sterben. Dorothee Nolte

Liebe unter Zwölfjährigen entsteht heutzutage beim Besuch eines BoBoQ-Ladens. Man trinkt dort Bubble Tea mit Perlen, die im Mund zerplatzen. Die kleinen Dinger sind meist aus der Maniokwurzel hergestellt, dann heißen sie Tapiokaperlen. Es können aber auch Geleestückchen sein oder mit Saft gefüllte Kügelchen Der Name Bubble Tea hat aber weniger mit den Perlen zu tun als mit dem ultrafeinen Teeschaum, der beim Schütteln von Tee mit Fruchtkonzentrat, Eis und Milch entsteht.

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