Was macht die Familie? : Im Zirkus leiden

Balancierende Pudel, Hunde im Puppenwagen, Clowns und Zwergziegen? Nichts für unsere Redakteurin Tanja Buntrock, die mit ihrer Tochter im Zirkus war. Doch was tut man nicht alles, um das Kind glücklich zu machen?

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Dressierte Pferde, die Stars in der Manege - sie gehören zum Zirkus wohl einfach dazu.
Dressierte Pferde, die Stars in der Manege - sie gehören zum Zirkus wohl einfach dazu.Foto: dpa

Für sein Kind tut man alles? Stimmt. Ich habe vor einiger Zeit mit meiner fünfjährigen Tochter und Freunden das gemacht, was viele Familien und Kita-Gruppen tun: Wir sind in den Zirkus in der Nähe gegangen. Auch auf die Gefahr hin, komplett unten durch zu sein: Ich mag keinen Zirkus. Mehr noch, es ist die Hölle für mich. Nur, dass es dort alles andere als heiß ist, sondern im Winter ziemlich kühl, es müffelt nach Kleintiermist, der Kaffee ist dünn.

Schon früher habe ich die rotnasigen Clowns, die Melone oder Spaghetti heißen, verabscheut: Sie sind nicht lustig. Auch jetzt empfand ich wenig Freude. Während meine Tochter mit offenem Mund staunte, dachte ich: Was soll daran toll sein, sich anzuschauen, wie Pudel auf Bällen balancieren oder wie ein großer einen kleinen Hund im Puppenwagen spazieren fährt, wie Zwergziegen und Baby-Lamas durch die Manege rennen, von den Pferdedressur-Nummern ganz zu schweigen? Und wie sieht es eigentlich mit dem Tierschutz aus? Als wir später einer Kreuzberger Mutter vom Zirkus-Besuch berichteten, kam jedenfalls ein knappes, aber deutliches „Oh!“. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Bei den Trapez- und Seiltanznummern bewunderte ich allenfalls den Trizeps der Artisten. Ganz anders meine Tochter. „Mama, ich liebe den Zirkus. Ich will unbedingt auch zum Zirkus“, jauchzte sie mir während der Vorstellung ins Ohr. Meine Gedanken schweiften ab. Vor mir sah ich mein Mädchen, wie es mit 15 die Schule schmeißt, der Liebe wegen durchbrennt mit so einem Typen im Glitzerhemd und mit gegelten Haaren, der sich Fernando Fernandez nennt oder wie sonst ein Fußballspieler aus der spanischen Primera División. Mit ihm teilt sie dann ein Bett in einem 13-Quadratmeter-Wohnwagen und reitet durch die Manege, womöglich als Clown verkleidet.

Aber beim großen Finale – mit Charts-Musik, schon akustisch eine Zumutung – sah ich die leuchtenden Augen meiner Tochter. Und nur darauf kommt es an. Soll sie doch mit Fernando Fernandez glücklich werden. Vielleicht kann er ja sogar Fußball spielen.

Hauptsaison beim Zirkus sind in Berlin traditionell die Wochen vor Weihnachten. Doch so lange muss man die Ungeduld der Kinder nicht zügeln. Irgendwo ist fast immer ein Zirkus unterwegs. Einen Überblick über Gastspiele hier und anderswo gibt’s unter www.circus-gastspiele.de.

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