Was macht die Familie? : In die Luft gehen

Wie ein Vaterdie Stadt erleben kann.

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Mit Kindergeburtstagen ist das so eine Sache. Früher haben sich die Kleinen noch über Schokolade und Brummkreisel gefreut, dann über Pokémon-CDs, später kamen die ersten kleineren Computer-Accessoires und noch später die größeren. Was aber schenkt man einem 16-Jährigen, der mich milde belächelt, wenn ich ihm mein zwei Jahre altes Nokia-Handy zeige?

Der Mittlere meiner drei Jungs ist schon seit langem mein erster Ansprechpartner, wenn das Laptop mal wieder hakt. Im vergangenen Jahr hat er sich ein Flugsimulationsprogramm gekauft und ist damit ganz geduldig in ein paar Stunden von Berlin nach New York geflogen. So etwas muss es doch auch in Groß geben ...

Ein paar Mausklicks, Telefonate – und Tage später stehen wir pünktlich zum Geburtstag im Gewerbegebiet von Großbeeren und fragen uns zu den Räumen der EVS Flighttraining GmbH durch. Im Alltag trainieren hier ganz normale Piloten. Der Mittlere ist ein bisschen aufgeregt, aber das legt sich bei der Begrüßung durch seinen Kopiloten: „Für dich Dirk, im Cockpit duzt man sich.“ Dirk ist früher für die US Air Force geflogen. Heute begleitet er meinen Mittleren auf seinem Simultanflug von Tegel nach Schönefeld und weiter nach Tempelhof (wo virtuelle Piloten immer noch landen dürfen).

Ein abgedunkelter Raum ist zum Cockpit einer Boeing 737 umgestaltet worden – täuschend echt für meine Begriffe. Die Frau und ich nehmen in der zweiten Reihe Platz, vorn rasselt Dirk englische Fachbegriffe herunter und erklärt Steuerhorn, Seitenruder und Schubhebel. Draußen sehen wir den Tower und die Startbahn, ein sanfter Druck presst uns gegen die Lehnen, die Frau krallt ihre Finger in meinen Unterarm, dann sind wir oben. Dirk redet ohne Pause weiter, unser Sohn nickt vielsagend, und ich bin ein bisschen stolz, wie er die Dreiecke auf dem Kreis des Bordcomputers in Einklang bringt.

Wir schweben über das Olympiastadion Richtung Schönefeld, die Startbahn sieht beängstigend klein aus, aber der Nachwuchspilot bringt seine Boeing sicher zur Landung. Wir wagen einen kurzen Applaus. Der Mittlere räuspert sich streng, dann spricht er schon wieder mit Dirk, es geht um den Weiterflug nach Tempelhof. Nach einer Stunde verabschiedet sich ein bestens gelauntes Geburtstagskind aus Großbeeren. Ob er jetzt Pilot werden will? „Wäre eine Option“, sagt er – und hat schon eine Idee für den 17. Geburtstag. Wollten wir nicht schon immer mal Urlaub in Florida machen, vielleicht in Cape Canaveral? Sven Goldmann

Wer solch ein (halbwegs erschwingliches) Geschenk für ein etwas größeres Geburtstagskind braucht, sollte auf www.evs-flighttraining.de suchen.

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