Was macht die Familie? : Katzen reinwerfen

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann.

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Im Kino läuft derzeit der neue Film der Coen-Bruder. „Inside Llewyn (gesprochen Louin) Davies“ handelt von einem erfolglosen Folksänger, der stets auf der Suche nach einer Couch für die Nacht, einem warmen Plätzchen und seiner Karriere ist. Der Film ist – ehrlich gesagt – ziemlich deprimierend, und es passiert nicht besonders viel. Zum Glück spielt eine Katze mit. Der Kater rettet den Film. Den Coen-Brüdern, das muss man zu ihrer Ehrenrettung sagen, ist das bewusst. „Dem Film mangelt es an Plot“, geben sie zu, „deshalb haben wir die Katze reingeworfen.“

Die Katze reinwerfen, das funktioniert irgendwie immer. Katzen, die Klavier spielen, Katzen mit Weihnachtsmützen, sobald eine Katze im Spiel ist, lassen die Youtube-Klicks in die Höhe schnellen. Auch meine Tochter hat den Bogen raus. In einem ihrer Youtube-Videos spielt unser Kater mit, es ist nicht ihr schlechtester Film.

Die Katze reinwerfen, das könnte auf den letzten Drücker auch noch das Weihnachtsfest retten. Es ist nämlich nicht mehr viel Zeit, was Tolles zu besorgen. Aber ein kleines Kätzchen, das ließe sich doch auftreiben, oder?

Wir haben das hinter uns. Sechs Jahre ist es her, dass unser Kater – an Neujahr – zu unserer Familie dazustieß. Er kam auf Wunsch der Kinder, er ist noch da, weil er inzwischen mein Tier geworden ist. Die Kinder haben nämlich schnell das Interesse an Klein-Emil verloren. Nachdem sich der Kater geweigert hatte, an Polonäsen durch die Wohnung teilzunehmen oder sich für das Vater-Mutter-Kind-Spiel ein Mützchen aufsetzen zu lassen, ist der Stern des neuen Spielkameraden schnell gesunken. Als Weihnachtsgeschenk für Kinder, liebe Eltern, taugen Katzen nicht.

Katzen sind eher Erwachsenenunterhalter. Bevorzugt nachts. Wenn die Kinder so groß sind, dass sie ihre Eltern in Ruhe schlafen lassen, schlägt die Stunde der Katze. Meist so gegen halb fünf in der Früh will unser Kater – kratz, kratz – nach draußen, dann – kratz, kratz – doch lieber wieder rein, – kratz, kratz – spielen, – miau, miau – fressen, aber – empörter Blick, Abgang – doch nicht das Futter, das man ihm gerade serviert hat. Das Ganze dauert etwa bis sechs. Dann steht die Familie auf, und der Kater legt sich wieder hin.

Hinzu kommt ein praktisches Problem: Wie verpackt man eine Katze als Geschenk? Aber auch hier hilft das Internet. Siehe da: Man wickelt erst den Bauch ein, dann den Schwanz und am Ende setzt man der Katze ein Partyhütchen auf den Kopf. Knapp 100 000 Clicks hat das Video auf Youtube. Wie gesagt, wenn der Plot fad ist, schmeiß eine Katze rein. Heike Jahberg

Wer wirklich eine Katze will, sollte im Tierheim vorbeischauen. Da warten 650 Tiere auf Katzenliebhaber, unverpackt. Infos unter www.tierschutz-berlin.de

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