Was macht die Familie? : Kinder synchronisieren

Wie ein Vaterdie Stadt erleben kann.

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Für Lina beginnt jetzt wieder die erholsame Zeit des Jahres, denn der Urlaub ist vorbei. Es war ein Experiment: zwei Elternpaare, zwei Murkels à zwei Jahre, ein Ferienhaus. Ja, es hat zum Erkenntnisgewinn beigetragen.

Herausragendstes Ergebnis ist die völlige Inkompatibilität beider Kinder. Sie begann schon vor dem Aufstehen, denn in der zweiten Nachthälfte verlangte Finn (Name geändert), aus seinem Kabuff ins Schlafzimmer seiner Eltern umzuziehen. Weil ihm ein Zentimeter bis zur Türklinke fehlte, ging das nicht ohne Hilfe, die wiederum durch Hilferufe geholt werden musste. Schlimmstenfalls wurde dadurch auch Lina wach, die ebenso gern im elterlichen Schlafzimmer bleibt. Nur nicht zum Schlafen, sondern um Kommandos im Stil von „Der Papa das Biene-Maja-Buch vorlesen!“ zu geben. Natürlich kann man einer Zweijährigen sagen, dass früh um fünf keine Vorlesezeit ist. Aber dann muss man auch das Geschrei aushalten.

Apropos Geschrei: Während Finn beim Frühstück so tapfer aß, dass er ab 13 Uhr dann klaglos eine halbe Stunde im Restaurant aufs Essen warten konnte, schrie Lina – nach verschmähtem Frühstück – um diese Zeit längst gegen den scheinbar drohenden Hungertod an. Dazu lief sie gern in eine Richtung ihrer Wahl davon, was zwar den elterlichen Ohren guttat, aber nicht den Nerven. Wenn Finn ihr folgte, um sie mal wieder so richtig zu herzen, lief sie notfalls auch rückwärts weiter. Bis sie über eine Kante stolperte. „Pamm!“, sagte Finn vergnügt. „Der Finn hat mich umgeschubst!“, heulte Lina.

Nachmittags, als alle satt und vom Mittagsschlaf erfrischt waren, ging es auf den Spielplatz. Ein dänischer Spielplatz voll edler Holzbauwerke, die noch nach Wald rochen und von einem dicken Bett aus frischen Hackschnitzeln umgeben waren. Als Finn bereits alle Geräte ausprobiert hatte und lächelnd ins Auto stieg zwecks Heimfahrt, war Lina noch wortreich dabei, den Holzfiguren ihre Rollen zu erklären („Die Schlange guckt, wo die Maus ist.“) und Sicherheitshinweise zu geben („Der Vogel muss aufpassen, dass er nicht runterfällt.“).

Einmal hielt sich auf dem dänischen Spielplatz eine Kitagruppe auf, die aus zehn Kindern und drei Erzieherinnen bestand. In der Kita, in die Lina demnächst kommt, kümmern sich zwei Erzieherinnen um 20 Kinder. Dit is’ Balin! Es ist trotzdem die sympathischste Kita, die wir finden konnten. Lina wird also bald viel Zeit haben, unbehelligt zu spielen. Es wird ihr gefallen. Stefan Jacobs

Für Kinder, die in Ruhe spielen wollen: Ausflüge in die grünen Außenbezirke lohnen sich auch wegen der allgemein leereren Spielplätze dort.

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