Was macht die Familie? : Museum für Kommunikation - ein Ort der Überraschungen

Eigentlich sollte die Serie geglückter Museumsbesuche für unseren Kolumnisten und seine Familie hier reißen. Doch es kam ganz anders.

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Hier wird die Welt auf Händen getragen: Das Museum für Kommunikation in der Leipziger Straße.
Hier wird die Welt auf Händen getragen: Das Museum für Kommunikation in der Leipziger Straße.Foto: Imago/Jochen Tack

Wenn das so weitergeht, wird aus uns noch eine Museumsfamilie. Ich hätte es früher auch nicht gedacht, aber Museen ziehen uns inzwischen richtig an. Am Anfang glaubte ich noch an einfache Erklärungen. Dass ein Besuch im Naturkunde- oder Technikmuseum bei allen Kindern so gut ankommt wie ein großer Teller Fritten mit Ketchup, also auch bei unserem vierjährigen Sohn Max. Doch dann kam der letzte Sonntag.

Wir wagten uns in unbekanntes Terrain. Das Museum für Kommunikation. Hier hätte unsere Serie gelungener Museumstage reißen müssen. Denn ich brauchte schon ein paar umständliche Sätze, um Max wenigstens eine vage Vorstellung davon zu geben, was uns gleich erwarten würde. „Also, wie Menschen sich verständigen, dafür gibt es ja, also verschiedene, ähm, ja und vielleicht sehen wir auch Telefone.“ Im Atrium des Museums wurden wir dann erst einmal von drei freundlichen Robotern empfangen. Sie fuhren vor und zurück, blinkten uns nett zu und einer lud uns sogar auf ein Ballspiel ein. Aber es kam noch viel besser. Wenig auf dieser Welt kann Max so begeistern wie ein Bagger. Und was gab es gleich auf dem ersten Rundgang? Richtig. Mit zwei Hebeln sollten drei Würfel aufeinandergestapelt werden. Nur dass der Baggerfahrer sie nicht sah. Es musste kommuniziert werden. Entweder mit Worten oder mit Zeichen. Einfach und genial.

Von da an konnte nichts mehr schiefgehen. Die zweite Sensation im Museum war eine Rohrpost. Durch lange Plexiglasröhren über unseren Köpfen sausten die Büchsen und drehten dabei Loopings. Kommunikation beim Fliegen zusehen, wo gibt es so etwas noch? Eine in Zeitlupe verschickte WhatsApp werde ich wohl nicht mehr zu Gesicht bekommen. Auch an dieser Station blieben wir fast eine halbe Stunde. Da hatte das Museum längst gewonnen.

Es gibt übrigens auch noch Signale, die von Hand bedient werden können, lustige Videos, die zum Nachahmen von Gesten auffordern und auch Telefone, die irgendwann anfangen zu klingeln, wenn man nicht damit rechnet.

Zum Abschluss kehrten wir ins Museumscafé ein. Ich fühle mich ehrlich gesagt nirgendwo so schlau wie im Museumscafé, wenn all das Gesehene noch mal durch meinen Kopf zieht und mit einer Tasse Espresso zu einem Wissenskonzentrat aufgebrüht wird. Während Max baggerte, Signale stellte, Rohrpostnachrichten verschickte, hatten wir uns schließlich einige der übersichtlichen Vitrinen zur Geschichte der Kommunikation angeschaut. Erwähnen sollte ich auch, dass wir in keinem Berliner Museum bisher so freundliches Personal getroffen haben wie hier. Und als wären wir für unseren Besuch nicht schon genug belohnt worden, lief nach dem Rausgehen vor uns noch ein Fuchs über die Leipziger Straße.

Museum für Kommunikation, Leipziger Straße 16, www.mfk-berlin.de

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