Was macht die Familie? : Schlösser erschließen

Die kleine Tochter zeigt einen Hang zu rauschenden Festen? Da ist eine Schlössertour per Fahrrad genau das Richtige.

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Statt Pferdekutsche. Für eine Schlössertour sind heute auch Fahrräder standesgemäß.
Statt Pferdekutsche. Für eine Schlössertour sind heute auch Fahrräder standesgemäß.BFoto:Z

Die von vielen Mädcheneltern gefürchtete rosa Periode zeichnet sich bei Lina noch nicht ab, aber sie ist ja auch gerade erst drei geworden. Neuerdings zeigt sie einen auffälligen Hang zum Pompösen, zumindest zu rauschenden Festen: Schon in dem stets nur einen Spalt weit offenen Zeitfenster zwischen dem Aufstehen und dem Start in den Kindergarten muss täglich mindestens ein Spielkamerad Geburtstag feiern – der Playmobil-Müllmann, die Kuschelkatze, der Badewannenfrosch, die hölzerne Biene Maja oder wer sonst am Vorabend nicht aufgeräumt worden ist und deshalb griffbereit am Wegesrand zwischen Kinderzimmer und Frühstückstisch liegt. Binnen Minuten ist eine mindestens zehnköpfige Gesellschaft versammelt, die mit einem mehrgängigen Bauklötzchenmenü bewirtet werden will. Dass dazu Geschirr, Besteck und Becher herbeigeholt werden müssen, versteht sich von selbst. Dass der Tag insbesondere morgens einem straffen Zeitplan folgt, leider nicht.
Neben solchen Sponti-Partys sind auch Geschichten beliebt, die in Schlössern spielen – wie die vom kleinen König, der allen seinen Blumen Namen gibt und von der Prinzessin erst Gummibärchen geschenkt bekommt, die sie dann doch allein aufessen will. Geschichten mit autobiografischen Anklängen sind offenbar besonders beliebt. Für die Prinzessin auf der Erbse trifft das zwar nicht direkt zu, aber die Erbse unter der Matratze kann Lina sich mühelos einbilden. Mehrfach schon hat sie morgens über unruhige Nächte geklagt, „weil die Erbse gedrückt hat“.
Es wurde also Zeit, Lina echte Schlösser zu zeigen. An dem von Köpenick fahren wir zwar öfter im Auto vorbei, aber dort wartet hinterm Barockportal nur Kunstgewerbe, das man auch Geschirr nennen könnte. Biesdorf, Britz und Schönhausen sind zu weit ab vom Schuss, in Charlottenburg sind die flanierenden Prinzessinnen von einst wegen der vielen Besucher schwer vorstellbar. Aber mit einem Kurzurlaub in Brandenburg haben wir das dann ganz gut hingekriegt, zumal auch sonst alles passte: zwei Diener (Mama und Papa per Rad), die die Prinzessin (Lina) in der Sänfte (Kinderanhänger) samt Gepäck transportierten. Unterwegs kamen zwar keine Räuber, aber ein Unwetter hatten wir auch, und die Schlösser, in denen wir übernachteten, atmeten noch den Geist alten Adels und knarrten teils authentisch mit den Dielen, wenn man zwischen plüschigen Stühlen zum Frühstücksraum trappelte. Die Prinzenrolle am letzten Tag fiel mir als Vater zu, weil die Prinzessin an akuter Lauffaulheit litt und durch den Schlosspark von Steinhöfel bei Fürstenwalde getragen zu werden wünschte. Nur Erbsen gab’s nicht. Aber die haben wir ja zu Hause.

Die „Märkische Schlössertour“ ist ein knapp 200 km langer beschilderter Radweg. Die Tour kann mit fünf teils luxuriösen Übernachtungen beim Tourismusverband pauschal gebucht werden für 329 Euro pro Person: www.maerkischeschloesser.de.

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