Was macht die FAMILIE? : Sich treiben lassen im Strömungskanal

Gestritten wird immer, nur nicht um eins: die Frage, ob man ins Tropical Islands fährt. Auch wenn der Sohn dann Angst um die Mutter hat.

Alles so schön künstlich hier: Tropical Islands in Krausnick.
Alles so schön künstlich hier: Tropical Islands in Krausnick.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Frage der Verteilungsgerechtigkeit stellt sich nicht nur gesamtgesellschaftlich, sondern auch bei uns, und zwar annähernd täglich. Manches lässt sich nicht so klären, dass alle vier Kinder zufrieden sind. Neulich zum Beispiel haben wir entrümpelt. Bücher und Spielsachen, die keiner mehr brauchte, wurden aussortiert. Über die App „nebenan.de“ haben wir sie in der Nachbarschaft angeboten, und einige Nachbarn mit kleineren Kindern kauften uns Sachen ab. So kamen 75 Euro zusammen. Doch wie sollten die nun verteilt werden? Vieles hatten die Älteren geschenkt bekommen und dann an die Jüngeren vererbt. „Das hat ursprünglich mir gehört, also kriege ich auch das Geld“, war das Argument der Großen, doch das passte natürlich den Kleinen nicht: „Nie kriegen wir was neu, dann haben wir ja gar keine Chance, auch mal Geld zu verdienen“, klagten die Kleinen. Nach längerer Diskussion war die Lösung gefunden: Wir werfen das Geld in einen Topf und machen einen schönen Ausflug davon.

Auf das Ausflugsziel verständigten sich die Kinder in unter 30 Sekunden: Tropical Islands! Das lieben sie alle, und ich, naja, muss dann eben mit. Seit die alte Preisregel weggefallen ist, reichen 75 Euro leider nicht mehr als Eintritt für uns, und so legte ich den Rest drauf. Wir wählten einen sommerlich-heißen Donnerstag, an dem meine Kinder schulfrei hatten, weil Fronleichnam war, während alle anderen zur Schule mussten. Das Kalkül: Dann wäre es dort nicht so voll. So war es auch: „Nur“ 3500 Menschen bevölkerten die Halle, man musste um die Liege nicht kämpfen. 6000 Menschen passen rein, erfuhr ich später.

Im Whitewater River rauscht man davon

Die Kinder verschwanden sofort und tauchten erst mal nicht wieder auf. Ich rannte besorgt durch die Halle, weil der Kleinste eigentlich kein sicherer Schwimmer ist und ich Angst um ihn hatte. Doch ich fand das Quartett quietschvergnügt in der Schlange zur neuen Attraktion „Whitewater River“, einem 250 Meter langen Strömungskanal mit Höhenunterschieden von bis zu dreieinhalb Metern und einer Fließgeschwindigkeit von bis zu anderthalb Metern pro Sekunde. Man stürzt sich rein und wird dann von dem Strom mitgerissen. Mindestalter acht Jahre. Der Achtjährige rief: „Mama, das ist total super, aber du darfst nicht rein!“ Ich: „Wieso?“ Er: „Vielleicht gluckerst du unter.“ Ich: „Hast du etwa Angst um mich?“ Er: nickte und meinte es sichtlich ernst. Ich war kurz gerührt, dann entrüstet, dass man mich für so morsch hält, schnappte ihn und rauschte mit ihm und den anderen bestimmt zwanzig Mal durch die Bahn – ein riesiger Spaß.

Über nebenan.de finden sich Nachbarschaften zusammen, um einander zu helfen und Dinge zu verleihen oder zu verkaufen. Das Tropical Islands in Krausnick dürfte mittlerweile jedem bekannt sein.

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