Was macht die Familie? : Straßenbahn fahren

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann.

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Berlin ist die tollste Stadt der Welt. Und Berlin hat das tollste öffentliche Verkehrsnetz, das ich kenne. Zumindest auf dem Papier. Doch die Realität sieht leider anders aus:

Neulich hatte ich einen Termin in der Bundespressekonferenz. Die liegt in der Nähe der Friedrichstraße und ist mit der S-Bahn von Zehlendorf aus ganz gut zu erreichen. Theoretisch. Leider fuhr die S-Bahn an diesem Tag nicht, weil es einen Schaden im Stellwerk gab. Und leider konnte ich auch nicht auf die U-Bahn ausweichen, weil sowohl die U1 als auch die U2, die infrage gekommen wären, zu jener Zeit unterbrochen waren. Letztlich bin ich mit dem Bus gefahren, dann in den Zug umgestiegen, das letzte Stück bin ich gelaufen. Als ich ankam, hatte die Pressekonferenz längst begonnen.

Zum Glück sind jetzt Ferien. Zumindest die Kinder können in den nächsten Wochen ganz entspannt abwarten, wann die U-Bahn kommt oder ob der Bus überhaupt auftaucht. Doch leider dauern die Ferien nicht ewig, und spätestens im August geht die alte Mühle wieder los.

Der Große kommt dann auf eine neue Schule – in Schöneberg. Er hätte auch nach Friedrichshain wechseln können, auch dort gibt es eine wunderbare, neue, toprenovierte Bildungsstätte, die ihm gut gefallen hätte. Aber dann hätte der Junge jeden Morgen mehr als eine Stunde mit der Ringbahn fahren müssen, bei Wind und Wetter, Eis und Schnee. Ihm war das zu riskant. Uns auch. Danke, S-Bahn, für die unbürokratische Hilfe bei der Schulwahl.

Kürzlich haben wir jedoch ein Transportmittel kennengelernt, das zu 100 Prozent zuverlässig ist. Wir waren in Lichtenberg, am Betriebsbahnhof. Dort steht der Straßenbahnsimulator, an dem Fahrlehrlinge trainieren und altgediente Tramfahrer beweisen müssen, dass sie noch fit für ihren Job sind. An zwei Donnerstagen im Monat können auch Nicht-BVGler den Simulator benutzen – Erwachsene und Kinder.

Wie ein richtiger Tramfahrer sitzt man hinterm Steuer, begleitet von einem erfahrenen Fahrlehrer der BVG. Man fährt eine Strecke entlang, die am Bildschirm eingespielt wird. Mit Fahrgästen, die ein- und aussteigen, Schnee und Eis, Autofahrern, die die Spur kreuzen, und sonstigen Überraschungen. Die Kinder haben die Bahn heil und pünktlich ans Ziel gebracht. Leider war das nur ein Spiel. Leider. Heike Jahberg

Den Straßenbahnsimulator der BVG kann man jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat zwischen 14.30 Uhr und 19.30 Uhr nutzen. Reservierungen sind telefonisch unter der Nummer 030-256 30 333 möglich. Eine halbe Stunde im Simulator kostet 65 Euro.

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