Was macht die Familie? : Tanzen üben

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann.

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Josefine in heller Aufregung. Tagelang hat sie mit ihrer Freundin Chaima für den Auftritt als Super-  talent geprobt, Schrittfolgen wieder und wieder eingeübt, bis die Bewegungen fast synchron erfolgen: erst rechts, dann links die Arme hoch gerissen, melodramatisch zur Brust geführt, um schließlich die Partnerin abwechselnd mit einem kessen Hüftschwung wegzuschubsen. Die beiden Zehnjährigen haben sich die Choreografie aus dem Netz abgeguckt, dazu x-mal die Musik von Olly Murs via Internet abgedudelt: „My heart skip skip skip skip skip skips a beat“.

Und dann das: Im letzten Moment muss doch noch die CD her für den Auftritt vor der Schüler-Jury. Außerdem haben die „Black Girls“, wie sich das Tanzduo professionell nennt, die Anmeldung vollkommen vergessen. Tränen, hoch emotionale Telefonate noch am Vorabend, wenn da nicht mancher Herzschlag aussetzt. Am nächsten Morgen stehen die beiden um sieben im Büro der Schuldirektorin, die das Casting koordiniert – und großzügig die verspätete Anmeldung akzeptiert.

Jetzt muss nur noch eine Mutter zum Musikladen rasen und die CD erwerben. Wenn sie nur im riesigen Angebot zu finden wäre. Der Countdown läuft, die Talentprobe hat bereits begonnen. Da findet sie sie versteckt unter aktuellen Angeboten. Noch schneller wieder zurück zur Schule, wo Josefine und ihre Freundin mit den anderen Kandidaten vor der Cafeteria auf ihren Auftritt warten: kleine Sängerinnen, die vor Nervosität käsebleich sind, zwei Knirpse, die ihren ferngesteuerten Helikopter kunstvoll durch zwei Hoola-Hoop-Reifen schweben lassen wollen, nur streikt ausgerechnet jetzt der Motor. Das Getümmel hat verdächtig Ähnlichkeit mit den Backstage-Aufnahmen von „Deutschland sucht den Superstar“.

Prompt fallen sich Josefine und Chaima – „Kreisch!!!!!“ – gegenseitig bühnenreif um den Hals, herzen die Mutter, dass sie gerade noch rechtzeitig gekommen ist. Fehlt nur noch die Kamera. Schon öffnet sich die Tür. Wo sonst die Schulkinder speisen, ist eine kleine Bühne aufgebaut, hinter einem Tisch mit ernster Miene die Juroren. Auftritt der „Black Girls“, die schwarze Hosen, Shirts und vor allem Strickmützen tragen, die bei jeder Bewegung hüpfen. Das war knapp. Am Nachmittag die gute Nachricht. Die beiden Mädchen sind eine Runde weiter. Jetzt wird noch mehr geübt, Arme hochreißen, rechts, links, Schultern schütteln, Hüften kreisen lassen. Zwei Wochen haben die Kandidaten Zeit, dann dürfte wieder das Blut kochen. Drama, Baby!Nicola Kuhn

Olly Murs: In case you didn’t know, Sony Music, 12.90 €. In Berlin bieten viele Tanzschulen Kinderkurse an.

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