Was macht die Familie? : Tiere verschlafen

Wie ein Vaterdie Stadt erleben kann

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Lina ist mit ihren knapp sechs Monaten auch nicht mehr die Jüngste. Als naturverbundene Eltern wollten wir sie deshalb an die Fauna jenseits des blauen Elefanten heranführen, der über ihrer Spieldecke baumelt und – Augen auf beim Gebrauchtspielzeugkauf! – einen Knoten im Rüssel hat.

Die Suche nach wilden Tieren hat uns in den Tierpark Friedrichsfelde geführt, wo die Wege breit und die Gehege weit sind und nicht ständig fotografierende Touristen gegen den Kinderwagen laufen. Außerdem heißt es, der Tierpark brauche mehr Besucher, weil er ab vom Schuss ist und keine Stars wie Knut oder Special Guests wie die Pandas zu bieten hatte und hat. Ein Sonderangebot für junge Eltern gibt es obendrein.

Wir waren an einem Montagnachmittag erst kurz vor vier da, weil am Tierpark baubedingt zurzeit weder Straße noch Straßenbahn noch Parkplätze funktionieren. Kurz vor vier hieß: knapp vor Kassenschluss. Das Alfred-Brehm- und das Elefantenhaus waren bis 16.30 Uhr geöffnet – in der Woche vor der Zeitumstellung, wohlgemerkt. Obwohl also noch heller Tag war, trafen wir danach bald keinen Menschen mehr. Und, was noch erstaunlicher war, auch kaum noch Tiere. Allein die Elche in ihrem relativ neuen Gehege waren da. Sie schienen mehr über uns zu staunen als wir über sie. Eine Antilope war ebenfalls irritiert, als sie uns erblickte. Danach streiften wir lange zwischen herbstlichen Bäumen und leeren Gehegen umher. Dass die robusten Przewalski-Pferde trotzig ihre Mähnen vom kalten Wind kämmen ließen, war Ehrensache. Aber sonst: alle im Süden, im Nachtlager oder im Winterschlaf. Die für ihre NVA-Veteranentreffen bekannte Gastronomie war saisonbedingt ebenfalls geschlossen.

Als wir uns etwas melancholisch in der Dämmerung dem Ausgang am Schloss Friedrichsfelde näherten, erfreute uns nicht nur die wiedererstrahlte Schönheit des frühklassizistischen Baus, sondern auch die unerwartet reiche Fauna beiderseits eines nahen Brückchens: Am flachen Wassergraben ruhten Pelikane im Dutzend, die Schnäbel unterm Flügel, den Wind im Nackengefieder. An ihrer Seite hatten sich mehrere von auswärts eingeflogene Graureiher niedergelassen. Es war ein friedlicher, würdevoller Anblick. Und das Drehgitter nach draußen war groß genug für den Kinderwagen. Lina ist allerdings erst auf dem Heimweg wieder aufgewacht. Stefan Jacobs

Wer öfter mal Tiere suchen will: Die Babycard für Tierpark, Zoo und Aquarium kostet für ein Elternteil plus Kind 20 Euro, als Babycard XL für eine weitere Person 35 Euro. Sie gilt bis zum Ende des 13. Monats seit Geburt des Babys.

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