Was macht die Familie? : Über Abschiede, Glauben und den Himmel

Glaube, Liebe, Hoffnung: Heute schreibt Tanja Buntrock in der Familien-Kolumne über Abschiede und beantwortet ihrer Tochter die Frage, wie die Ur-Großmutter in den Himmel gekommen ist.

von
Der erste große Abschied war der in eine neue Kita.
Der erste große Abschied war der in eine neue Kita.Foto: dpa

Bei uns ging es neulich mehrmals um Abschied. Seit meine vierjährige Tochter und ich umgezogen sind, war klar, dass sie früher oder später auch die Kita wechseln würde. Nach ein paar Monaten war es so weit. Eine ihrer liebsten Freundinnen hatte nicht nur kleine Geschenke dabei, sondern den wohl rührendsten Abschiedsbrief, den eine Vierjährige von einer Fünfjährigen bekommen kann. Deren Mutter hatte das Diktat in roséfarbener Schrift aufgenommen: „Du wirst mir sehr fehlen. Du musst wissen, dass Du jederzeit bei mir zu Hause willkommen bist. Ich hoffe, dass wir uns weiterhin oft sehen und noch viele Abenteuer zusammen erleben werden. Ich hab Dich lieb!“

Meine Tochter nahm den Brief und die Geschenke freudig hüpfend an. Wir Mütter und Omas waren es, die uns beim gemeinsamen Lesen die Tränen von den Wangen wischten. Nicht umsonst heißt es, Abschied nehmen bedeutet immer ein wenig sterben. Ja, auch der Tod wurde bald Thema. „Wo ist denn deine Oma, wenn sie schon tot ist?“, fragte meine Tochter mich eines Morgens plötzlich beim Zähneputzen. „Im Himmel beim lieben Gott“, antwortete ich überzeugt – obgleich mich diese Frage unvorbereitet traf.

Meine Tochter schwieg. Bald darauf hakte sie weiter nach: „Aber wie ist die Oma denn dort hingekommen? Mit einer Leiter?“ Gute Frage. Mir fiel das Naheliegende so schnell nicht ein. Wir mussten auch los.

Dass ich diese kleine Episode danach einigen Kollegen in der Kantine schilderte, half mir nicht weiter. Ich provozierte vorwiegend Kopfschütteln („Glaubst Du wirklich an den ganzen Quatsch?“).

Auch wenige Tage später geisterte der Tod weiter durch unsere Wohnung. „Wird H. bald schon sterben?“, fragte mich meine Tochter, die mitbekommen hatte, dass eine entfernte Bekannte sehr krank in einer Klinik liegt. Ich wollte nicht lügen. „Ja, das wird sie wohl“, antwortete ich. „Aber sie wird nicht allein sein. Ein Engel wird sie begleiten. Genau, wie damals meine Oma.“


Wenn es um Abschied, Tod und Glaube geht, ist der erstmals 1974 veröffentlichte Klassiker „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“ zu empfehlen (Fischer Taschenbuch, 7 Euro). Hinter dem Autorenpseudonym Fynn verbirgt sich ein Mathematiker aus Irland. Auch ein Besuch im Kindergottesdienst kann eine Bereicherung sein – selbst für Leute, die „an den ganzen Quatsch“ nicht glauben.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar