Was macht die Familie? : Unsere Finanzen ordnen

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann.

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Früher war das Leben für die Kinder leichter. Zu Weihnachten, Muttertag und zum Geburtstag gab es stets selbst gemalte Bilder. Anfangs habe ich mich darüber reinen Herzens gefreut. Nach einigen Jahren jedoch stellte ich eine gewisse Abnutzung fest. Ich begann den Kindern klarzumachen, dass auch gekaufte Präsente ihre Reize haben. Zum letzten Weihnachtsfest bekam ich daraufhin einen 10er-Pack weiße Frotteesocken, der noch unbenutzt im Kleiderschrank liegt. Dieses Jahr haben die Kinder offensichtlich noch Größeres vor. „Ihr bekommt ganz tolle Geschenke“, haben sie bereits angekündigt. Allerdings gebe es ein kleines Problem. Leider reiche das Taschengeld nicht aus, um all die wunderbaren Dinge zu bezahlen.

Natürlich wollen wir Eltern schöne Geschenke. Daher haben wir den Kindern einen Vorschuss auf ihr Taschengeld gewährt. Mit dem schlechten Gewissen, dass die Finanzierung irgendwie schiefläuft, wenn man seine eigenen Präsente finanziert. So wie Deutschland mit dem Geld für die Euro-Schuldenstaaten seine eigenen Absatzmärkte sichert.

Auf Dauer kann so was nicht gutgehen. Das zeigt nicht nur die europäische Währungsunion, das wusste schon lange vor der Euro-Krise der Altmeister der Kinderunterhaltung, Walt Disney. Im „Lustigen Taschenbuch 205“ (aus dem Jahr 1995!) kommen drei Finanzhaie nach Entenhausen, gründen eine Bank und versprechen den Kunden zehn Prozent Zinsen – am Tag. Bald steht ganz Entenhausen Schlange und will sein Geld bei diesen Bankern („Spareinlagen bei Eberlein, solide wie ein Ziegelstein“) anlegen. Auch Dagobert Duck lässt seinen Geldspeicher leer räumen und karrt seine Taler zur Sparkasse Eberlein. Natürlich bricht das Schneeballsystem zusammen. Nur mithilfe eines Tricks entgeht Entenhausen der Pleite.

Vielleicht sollten auch die Herrn Ackermann, Sarkozy und Papademos mehr Duck-Geschichten lesen. Die Welt und unser Geld wären sicherer. Da ist es gut, dass zumindest Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner den Kindern jetzt schon in der Schule den richtigen Umgang mit Geld beibringen will. Sie sollen lernen, unnötigen Konsum, teure Handyverträge und miese Internet-Abos zu vermeiden. Das finde ich gut. Nur die Sache mit dem Konsum gibt mir zu denken. Ich fürchte, Weihnachten 2012 liegen wieder Bilder unterm Baum. Schrecklich. Heike Jahberg

Das Schloss Britz (Alt-Britz 73) zeigt noch bis zum 11. März die Ausstellung „Walt Disney’s große Zeichner“. Am ersten und zweiten Weihnachtstag ist die Ausstellung von 11 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, Kinder bis 12 zahlen nichts.

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