Was macht die Familie? : Wunden versorgen

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann.

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Neulich hatte ich einen kleinen Unfall. Das Ereignis trug mir eine Platzwunde über dem linken Auge und einen schmerzhaften Bluterguss an der Hüfte ein. Und Kopfschmerzen, die mir einen außerplanmäßigen Tag zu Hause bescherten.

Nur die Aussicht auf warmen Trost aus dem Familienkreis half mir, die ersten Stunden zu überstehen. Doch weit gefehlt. Als Linda aus der Schule nach Hause kam, wechselte die Freude über die unerwartete Mutterpräsenz und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit („Hast du mir was gekocht?“) schnell mit einer gewissen Abscheu („Wie sieht das denn aus?“) und dem Wunsch, ich möge die Wunde – entgegen dem Rat des Arztes – mit einem Pflaster bedecken. Ich war enttäuscht. „Ist das der Dank für eine fast zwölfjährige aufopferungsvolle Pflege?“, fragte ich mich. Für die vielen Pflaster und Verbände, die ich in all den Jahren auf Wunden geklebt habe, für nächtliche Ausflüge ins Krankenhaus, wenn sich die kleine Verstauchung nachts um drei dann doch als Bruch entpuppte? Linda lässt so etwas kalt: „Hättest mich halt besser erziehen sollen“, meint sie.

Was nicht ist, kann ja noch werden. Ich denke, nach der Schule wird unsere Kleine erst einmal ins soziale Jahr geschickt. Vielleicht könnte man das freiwillige soziale Jahr in ihrem Fall auch ganz unfreiwillig auf zwei verlängern. Vielleicht ist das aber auch nicht nötig, und die Empathie stellt sich von selbst ein, wenn die Pubertät vorbei ist.

Die habe ich lange hinter mir. Im Gegenteil. Mein Unfall gehört zu der Sorte, von der ich dachte, dass sie eher Menschen jenseits der 70 widerfährt. „Müssen Sie doch nicht sagen“, riet mir der Chirurg in der Notaufnahme. Und so beschloss ich, allen, die wissen wollen, warum ich mit einem blauen Auge und einer dicken Naht über der Augenbraue durch die Gegend laufe, zu erzählen, dass ich – je nach Zuhörererwartung – ein kleines Kind/einen kleinen Hund/eine kleine Katze vom Eis gerettet und mich dabei verletzt oder eine alte Dame vor brutalen Handtaschenräubern/Schlägerbanden beschützt habe. Leider glaubte mir niemand.

Tatsächlich bin ich in der nassen Badewanne ausgerutscht und habe mir den Kopf aufgeschlagen. Das ist, wie ich jetzt im Krankenhaus gelernt habe, der häufigste Unfall, der zu Hause passiert. Haben Sie das aber schon mal von jemandem gehört? Von jemandem mit Kindern? Jetzt wissen Sie warum. Heike Jahberg

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