Was macht die Familie? : Zeitlos schön sein

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann.

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Wann, wenn nicht in diesen Spätherbsttagen und den Adventswochen, ist eigentlich die perfekte Zeit, in Erinnerungen zu kramen? Und das Kramen meine ich wörtlich, denn wir wühlen dabei meistens in Fotokisten. Leider gehören wir nicht zu den organisierten Haushalten, die ihre Bilder alle schön ordentlich in Fotoalben sammeln.

Als meine Tochter und ich letztens einen solchen Nachmittag mit Tee, Kuchen und einem Blick in unsere gemeinsame Vergangenheit verbringen, sind wir beide einigermaßen verblüfft. Wir haben unsere Bilder nämlich einmal unter dem Fashion-Aspekt betrachtet. Die Outfits, die ich vor zehn bis 15 Jahren sowohl für Charlotte als auch für mich wunderschön fand, fallen jetzt gnadenlos durch, vor allem bei meiner Tochter, sie ist sehr streng. „Das ist ja voll die Vorstadtmutti“, kommentiert sie meine frühere Siebenachtel-Hose, eine etwas asymmetrisch geschnittene Strickjacke oder das wadenlange Leinenkleid von Laura Ashley, das ich einst so liebte. Ich muss sagen, sie hat recht.

Noch kritischer ist sie mit ihrer eigenen Garderobe. „Wie konntet ihr mich so rumlaufen lassen?“, fragt sie entsetzt. „Immer diese bunten Leggings oder Radlerhosen!“ Stimmt. Und dann gab’s noch bunte Ringel-T-Shirts und Streifenhosen und Pünktchenhemden und ... „Kein Kind sieht heute so aus!“, sagt Charlotte. Ich antworte nur kleinlaut: „Damals trugen das alle Kinder. Ich fand, dass du soooo süß aussahst.“ Das „damals“ klingt nach ganz weit entfernter Vergangenheit. Aus heutiger Sicht muss ich zugeben, geschmackvoll geht anders! Wenigstens betrachtet sie einige Tage später bei ihren Freundinnen ähnliche Fotos der Mädchen mit Leggings, Radlerhosen und bunten Ringel-T-Shirts. Ich habe also nicht gelogen: Sie war nicht das einzige Opfer der mütterlichen Fashionsünden.

Wie vergänglich Mode doch sein kann. Aber nicht sein muss. Das stellen wir bei der Fotoausstellung „The Little Black Jacket“ von Karl Lagerfeld fest, die ganz dem Chanel-Klassiker gewidmet ist. Diese Jacke ist noch immer so geschnitten, wie Coco Chanel sie einst entworfen hat. Einfach traumhaft, zeitlos schön, auf immer geschmackvoll.

Leider wohl zu teuer, als dass wir sie uns zu Weihnachten wünschen könnten. Sigrid Kneist

„The Little Black Jacket“ ist bis zum 14. Dezember im U-3-Tunnel Potsdamer Platz zu sehen, montags bis mittwochs und freitags, 11 – 19 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr und am Wochenende bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Das gleichnamige Buch von Karl Lagerfeld und Carine Roitfeld, erschienen im Seidl Verlag, kostet 78 Euro.

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