WAS SOLL MIT STADTBÄRIN SCHNUTE GESCHEHEN? : „Wie eine Oma im Kindergarten“

DIE BESUCHER

Rentner Guido Schwarz hat viel Geduld. Seit einer halben Stunde blickt er an diesem Montagmorgen wie etliche andere Spaziergänger zur Pforte des Bärenhauses im Köllnischen Park. Sie warten auf Schnute. „Die pennt noch“, sagt Schwarz. Aber da schiebt sich ein braunes Tier hinaus in die Sonne. Schnute allein zu Haus. „Hallo, wie geht’s?“ rufen ihre Fans, Mitgefühl in der Stimme. Seit Maxi, die Tochter der 32 Jahre alten Braunbärin vor vier Tagen gestorben ist, hat Berlin nur noch einen Stadtbären im traditionsreichen Zwinger. Und nun wird wieder gestritten um Schnutes Zukunft. Soll sie im Berliner Gehege bleiben? Oder bringt man sie besser in einen Bärenpark im Umland? Viele im Park möchten sie behalten. „Lasst sie doch einfach in Ruhe“, sagt Schwarz.

DIE TIERSCHÜTZER

Das Berliner Bärenbündnis und der Bund gegen Missbrauch der Tiere wollen am heutigen Dienstag vor dem Bärengehege „spektakulär“ um die mit 27 Jahren gestorbene Maxi trauern. Schwarz gekleidet werde man um 11 Uhr demonstrieren und fordern, dass Schnute „in einen Bären- oder Wildpark in Brandenburg gebracht wird, „wo sie mehr Raum und mehr Freiheiten hat“. Beide Organisationen setzen sich seit Jahren für die Umsiedlung von Berlins Stadtbären ein. Auch für Schnute alleine sei das „viel zu kleine Gehege“ eine Quälerei, heißt es. Aus Sicht des Bündnisses hat auch Maxis Tod mit den „tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen“ zu tun. Nach Auskunft ihrer Tierärzte war sie allerdings von starker Arthrose geplagt und für einen Bären schon sehr alt.

BEZIRK UND EXPERTEN

Mittes Stadtrat Carsten Spallek (CDU) will der Bärin erstmal Zeit lassen. Man werde in Ruhe beobachten, „wie sie die neue Situation verkraftet, ob sie um ihre Tochter trauert und wie sie nun alleine zurechtkommt“. Klären müsse man auch, ob Schnute im Alter von 32 Jahren noch transportfähig sei. Das fragt sich auch der stellvertretende zoologische Chef des Berliner Zoos, Heiner Klös. „Man verpflanzt ja auch keine alten Bäume mehr“, sagt er. Schnute sei so betagt wie ein Mensch mit 80 Jahren. Maximal würden Braunbären 40 Jahre alt. Sie seien Einzelgänger, weshalb Schnute nicht unbedingt Gesellschaft brauche. Klös: „In einem Bärenpark würde sie sich wie die Oma im Kindergarten fühlen. Und müsste sich an viel Neues gewöhnen. Es wäre eher belastend.“ CS

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