Berlin : Was tun mit der Deutschlandhalle?

Vorsitzende des Kulturausschusses ist für Wiederbelebung, die Messe dagegen Pro-und-Contra-Umfrage im Tagesspiegel: Mehr als 90 Prozent gegen Abriss

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Gegen einen Abriss der Deutschlandhalle haben sich 90,9 Prozent der Teilnehmer an der Pround Contra-Umfrage des Tagesspiegels vom vergangenen Wochenende ausgesprochen. Alice Ströver, die Vorsitzende des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus, sah sich gestern von dem Ergebnis nur bestätigt. „Die Deutschlandhalle ist im Bewusstsein der Berliner verankert.“ Die Halle sei beliebt, groß wie keine andere in Berlin, ideal für Konzerte. „Sie muss wieder auf den Markt gebracht werden“, forderte die Politikerin.

Wie berichtet, wollen die Senatswirtschaftsverwaltung und die Messe Berlin die 70 Jahre alte, unter Denkmalschutz stehende Deutschlandhalle abreißen und dort ein neues Kongressgebäude errichten. Der Senat wird vermutlich im Herbst endgültig entscheiden. Das sanierungsbedürftige, als zu teuer empfundene Internationale Congress Centrum (ICC) soll abgerissen oder verkauft werden.

Alice Ströver kann sich ein neues Kongresszentrum auf dem alten Gelände des ICC vorstellen. Für eine Übergangszeit könnte eine Messehalle, etwa in Kombination mit dem Palais am Funkturm, für Kongresse umgebaut werden. Die Deutschlandhalle aber müsste reaktiviert werden. Es sei ein Skandal, dass der Bau vom Senat 1998 stillgelegt worden sei, um den privaten Hallenbetreibern von Velodrom und Max-Schmeling-Halle keine Konkurrenz zu machen, hieß es. Auch müsse der Denkmalschutz beachtet werden.

Seit bald vier Jahren kümmert die Deutschlandhalle als Ersatz für die abgerissene Eissporthalle an der Jafféstraße vor sich hin. Michael Hofer von der Messe Berlin betonte gestern, man könne dem Steuerzahler nicht mehr weiter zumuten, für eine leer stehende Halle zu zahlen. Für die Messe sei das Haus nicht zu nutzen. Man könne auch nicht zig Millionen in die Sanierung eines leer stehenden Hauses stecken. Es koste schon jetzt jährlich vier Millionen Euro, von denen die Messe gut die Hälfte trage. „Es geht um die Vernunft“, sagte Hofer. Ein Kongress-Neubau an diesem Ort werde aber sogar ein wenig an die Deutschlandhalle erinnern, was auch die Nostalgiker zufrieden stellen könne. Ansonsten aber fühle sich die Messe nicht zuständig, sie sei nur Betreiber der Halle, Eigentümer sei das Land Berlin.

Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch sagte gestern, verschiedene Alternativen müssten geprüft werden, er könne sich für ein neues Kongresszentrum keine geeignetere Stelle als das Gelände der Deutschlandhalle vorstellen. „Es spricht viel für einen Neubau“, sagte Strauch. „Das Problem ist nur mittelbar die Deutschlandhalle, das Problem ist das ICC“, meinte der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej. Das ICC sei höchst unwirtschaftlich, koste 14 Millionen Euro im Jahr. Sollten sich die bisherigen Berechnungen bestätigen, gebe es keine Rettung für die Deutschlandhalle.

Bei den Bündnisgrünen wird bezweifelt, ob sich für das ICC ein Käufer findet. Für die Deutschlandhalle sei aber ein dreimonatiges Moratorium zur Suche nach einem Investor denkbar.C. v. L.

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