Berlin : Was tun, wenn’s doch nicht brennt? Die Feuerwehr bittet zur Kasse

2500 Fehlalarme lösen marode Melder jährlich aus. Zu viele, finden die Brandschützer. Jetzt sollen Verursacher zahlen

Christoph Stollowsky

Jede Woche der gleiche Ärger, manchmal sogar zwei- bis dreimal: Ein Löschtrupp rückt aus zu Hotels, Krankenhäusern oder Wohnheimen und kehrt gleich wieder um. Fehlalarm – ausgelöst durch empfindliche Rauchmelder, die direkt mit der Leitstelle der Berliner Feuerwehr verbunden sind und diese automatisch herbeirufen. Denn jedes größere öffentliche Gebäude muss heute mit einer Brandmeldeanlage gesichert sein. Oft ist deren Technik aber nicht auf dem neuesten Stand und löst deshalb falschen Alarm aus. Dagegen setzen sich die Brandschützer nun zur Wehr: Ab 2003 wollen sie jeden Fehlalarm in Rechnung stellen.

„Manchmal reicht es, wenn der Hotelkoch die Brötchen aufbackt. Öffnet er die Ofentür, sind meine Männer zur Stelle“, sagt der Leiter der Feuerwache Mitte, Harald Schramm. Exakt 2449 unnötige Einsätze wurden im Jahr 2001 aus solchen Gründen ausgelöst. Immerhin sind in Berlin inzwischen gut 1000 Gebäude mit modernen Brandmeldeanlagen ausgestattet, darunter alle Hotels ab 60 Betten. Die Anlagen alarmieren die Feuerwehr ab einer bestimmten Rauchkonzentration – doch dabei gehen einige „recht pauschal und andere sehr differenziert vor, je nachdem, wie intelligent ihre Elektronik ist“, sagen Experten. So können die neuesten Sensoren beispielsweise Brandrauch von heißem Wasserdampf, Zigarettenqualm oder aufgewirbeltem Baustaub unterscheiden. In den Hotels sollte man zwei bis drei Melder koppeln, „so dass nicht einer verrückt spielen kann“, empfiehlt der Fachmann bei der Feuerwehr, Reimund Roß. Und noch etwas rät er den Hoteliers: „Bauen Sie eine kurze Pufferzeit zwischen dem ersten Alarm und dessen Weitergabe an die Leitstelle ein.“ Zuerst wird in diesem Fall das Hauspersonal auf Trab gebracht und kann drei Minuten lang nach den Ursachen schauen. Stellt es bis dahin den Alarm nicht ab, läuft er automatisch bei den Brandschützern auf.

„Vor allem größere Hotels haben in diesem Jahr ihre Anlagen entsprechend aufgerüstet“, zieht die Feuerwehr Bilanz und meldet erste Erfolge: Die Zahl der Fehlalarme ging drastisch zurück, beispielsweise im Forum-Hotel am Alex oder im Hyatt am Potsdamer Platz. Doch die bessere Technik hat ihren Preis. Sie kostet rund 30 Prozent mehr als eine Standard-Anlage, weshalb sich etliche Bauherrn und Firmen noch immer „auf Kosten der Feuerwehr und der Allgemeinheit zurückhalten“, sagt Branddirektor Roß.

Schließlich erhöhen die vielen Fehlalarme den Personalbedarf und blockieren Löschtrupps, die andernorts dringend gebraucht würden. Im Gegenzug wollen Feuerwehr und Innensenator nun nach jedem unnötigen Einsatz die Hand aufhalten. Rücken zwei Löschfahrzeuge mit 12 Mann Besatzung eine halbe Stunde aus, kostet dies 400 bis 500 Euro. Dafür soll Berlins Feuerwehrgesetz bis zum nächsten Frühjahr geändert werden.

„Es geht nicht um Abzocke“, heißt es in der Branddirektion. „Wir wollen erzieherisch wirken.“ Und man verweist auf München, wo falsche Alarme schon seit 1998 berechnet werden. „Danach wurde auch die letzte Anlage modernisiert“, sagt ein Sprecher der Münchner Feuerwehr. „Unsere Fehleinsätze gingen signifikant zurück.“

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