Berlin : Was tun, wenn’s grunzt?

Wildschweine kommen gerne und häufig in die Stadt – Charlottenburg stoppt sie jetzt mit Betäubungsmunition

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Den Wildschweinen gefällt’s in Berlin. Doch bei ihren häufigen Ausflügen in die Stadt versetzen die Tiere nicht selten Menschen in Angst. Nun hat sich als erster Bezirk CharlottenburgWilmersdorf dafür entschieden, ein Betäubungsgewehr anzuschaffen. Ein Tierarzt, der mit Betäubungsmunition umgehen kann, sei auch schon gefunden, sagt der zuständige Stadtrat Bernhard Skrodzki (FDP). Die Idee dazu stammt vom Grunewalder Revierförster Elmar Kilz, der es für zu gefährlich hält, die Tiere in besiedelten Gegenden mit scharfen Waffen zu jagen. Das Betäubungsgewehr solle zuerst Menschen vor Fehlschüssen schützen. Für die Tiere gebe es keinen Vorteil, sie würden kurz nach dem Einsatz getötet – es sei denn, sie haben Junge. Außerdem richtet der Bezirk bis zum Frühjahr ein „Wildschwein-Telefon“ für Rat suchende Bürger ein.

Weil Jagen in Wohngebieten verboten ist, kann nur in bedrohlichen Situationen ein Stadtjäger der Senatsumweltverwaltung von der Polizei angefordert werden. In diesem Jahr wurden zwölf Wildschweine an der Schmargendorfer Heydenstraße getötet und zwei Tiere am Alexanderplatz in Mitte. Polizisten sollen möglichst nicht schießen, weil ihre Munition schlecht geeignet ist. „Auch mit zehn Polizeikugeln im Leib kann ein Wildschwein noch angreifen“, sagt Revierförster Kilz. Im vorigen Jahr wurden in den Berliner Wäldern mehr als 2300 Wildschweine erlegt. Die Gesamtzahl der Tiere ist unbekannt, wird aber grob auf das Fünffache geschätzt. Es gibt auch schon Rotten, die sich nur noch in Gärten oder innerstädtischen Parkanlagen aufhalten. Manche tierliebende Berliner füttern die Wildschweine sogar, obwohl dies verboten ist. CD

Infobroschüre über Wildschweine gibt es unter Tel. 90122222 (Wildtiertelefon). Im Schloss Grunewald läuft bis 22. Februar eine Fotoausstellung über Wildschweine (do. bis so., 10 bis 16 Uhr, Eintritt frei).

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