Berlin : Was uns die Flutkatastrophe lehrt

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SONNTAGS UM ZEHN

Hinter dem Berliner Dom legt der Ausflugsdampfer „Summerwind“ zur Spree-Rundfahrt ab, dahinter wird gleich die „Viktoria“ losfahren, und „Captain Morgan“ kommt auch bald. Die Spree führt etwas mehr Wasser als sonst, zwanzig zusätzliche Zentimeter mögen es sein.

Sommerwetter. Vielleicht liegt gerade hier das Problem – darin, dass in dieser Stadt noch keiner nasse Füße bekommen hat: „Wie kann es sein, dass die einen fassungslos sind vor Entsetzen und die anderen weiterleben wie bisher?“, fragt Generalsuperintendent Martin-Michael Passauer. Gedanken an Hochwasser bei Sonnenschein? Das zu vermitteln, hat sich Passauer heute zur Aufgabe gemacht. Der SFB überträgt den evangelischen Gottesdienst, und via Mitteldeutschen Rundfunk ist er auch dort zu hören, wo die Leute gegen das Hochwasser ankämpfen.

Wirbelstürme, Waldbrände, Überschwemmungen – man kenne das aus dem Fernsehen, aus Asien, Afrika, Amerika, sagt der Pfarrer. „Die Katastrophe hat uns vor Augen geführt, wie wenig wir unser Leben in der Hand haben“, Menschen seien der Verletzung, der Zerstörung und auch dem Tod preisgegeben. „Viele wissen nicht, wie sie heute leben sollen, viele haben Angst.“

Das alles sei geschehen, während die Menschen – auch in der Hochwassergegend – Urlaub machen möchten oder einfach nur das vertraute Leben führen wollen. Deshalb müsse die „Zeit der Teilnahmslosigkeit“ endgültig vorbei sein, sagt Passauer, „wir gehen einer Zeit entgegen, in der wir viel mehr geben müssen.“ Der Mensch solle Gottes Mitarbeiter – also Mit-Arbeiter – bei der Schöpfung sein. Wer die Schöpfung bewahren will, muss mit anpacken.

Die Predigten seien im Berliner Dom immer etwas niveauvoller als woanders, wird ein Kirchgänger nach dem Gottesdienst loben. Und doch lauerte auch bei dieser Messe das Banale, das etwas Platte. Es mag eine Geschmacksfrage sein, jetzt „Wende ab in allen Gnaden Feuer und Wasserschaden“ singen zu lassen. Und auch wenn nach Psalmen „Gott hilf mir, denn das Wasser geht mir bis an die Kehle“ gebetet wird, erscheint der übertragene Sinn allzu wörtlich. Zum Schluss betet Passauer für die Politiker, die hoffentlich richtig entscheiden werden: „Noch vor einer Woche ließ sich mit Umweltpolitik kein Blumentopf gewinnen“. Es ist ein Aufruf, wenn er fragt: „Was wäre in Ihrer Tasche, wenn Sie in einer Stunde ihr Haus verlassen müssen?“ Christian Domnitz

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