Berlin : Waschgang ins Café

Die Kneipe „Waschmaschinewsky“ lockt mit Radioleuten, Bühne und – einem Beichtstuhl

Nana Heymann

„Waschmaschinewsky“ - der Name des Cafés klingt ein bisschen so, als hätte eine lustige Herrenrunde ein paar Bier zu viel getrunken und sei dann albern geworden. Tatsächlich soll es diesen Begriff aber wirklich gegeben haben: Im Ruhrpott bezeichnete er einst polnische Gastarbeiter, die sich vom mühsam Ersparten als Erstes eine Waschmaschine leisteten. Ob man diese Geschichte nun glauben soll, sei dahin gestellt. Zumindest pflegt sie Robert Skuppin, einer der sechs Betreiber des Friedrichshainer Cafés „Waschmaschinewsky“, zu erzählen, wenn er auf den eigenwilligen Namen seines Etablissements angesprochen wird.

Vor knapp einem Jahr ist der Radio-Eins-Moderator zusammen mit Kollege Volker Wieprecht mit dem Eckcafé an der Bänschstraße unter die Gastronomen gegangen. Die Idee dazu kam den Herren durch eine Fernsehreportage über eine polnische Brauerei in Witnica, einem kleinen Ort knapp 100 Kilometer von Berlin entfernt, in dem seit über 100 Jahren Bier nach deutschem Originalrezept gebraut wird. Jedenfalls machte dieser Beitrag Skuppin so neugierig, dass er sich an einem kalten Januartag kurzerhand in sein Auto setzte, über die Grenze fuhr und den Gerstensaft für den exklusiven Verkauf lizensierte. Und weil das gute Bier schließlich irgendwo angeboten werden muss, lag die Eröffnung eines dazugehörigen Cafés nahe.

„Unser Laden soll ein Beitrag zur deutsch-polnischen Völkerverständigung sein. Wir finden, dass in Berlin da noch zu wenig getan wird“, sagt Robert Skuppin, dessen Vater aus dem schlesischen Breslau stammt. Die Kultur des Nachbarlandes soll den Gästen im „Waschmaschinewsky“ mit Konzerten, Lesungen und Spieleabenden näher gebracht werden. So gibt es beispielsweise donnerstags ab 20 Uhr 30 die Quizreihe „Genial danebski“, bei der das Publikum in Anlehnung an die TV-Show „Genial daneben“ polnische Begriffe erraten soll. Moderiert wird das Quiz von Skuppins Radiokollegen Jörg Thadeusz und Julia Vismann. Teamgeist und körperliche Ertüchtigung stehen hingegen montags mit einem großen Kickerturnier auf dem Programm. Zudem gibt es für die Stärkung zwischendurch polnische Spezialitäten wie Bigos oder Piroggen. Zubereitet werden sie von einem hauseigenen Koch, der sich in einem Casting als einziger deutscher Anwärter auf die Stelle hinterm Herd gegen zahlreiche polnische Mitbewerber durchsetzte. Aus Polen hingegen stammt ein Großteil der Kellnerinnen.

Am vergangenen Wochenende feierte das „Waschmaschinewsky“ seinen Relaunch, die Wiedereröffnung nach kleineren Umgestaltungsarbeiten. „Große Ideen sorgen für Druck in der Umsetzung. Dabei vernachlässigt man leider die Feinarbeit und die Details“, sagt Skuppin, der gelegentlich selbst mit dem Kellnertablett durch die Räume wirbelt. Das wurde jetzt nachgeholt, etwa in der Lounge im hinteren Bereich: Sie wurde mit bequemen Sesseln und Hockern sowie einem langen Lichtschlauch ausgestattet. Doch die eigentliche Attraktion des Ladens, in dem sich zu DDR-Zeiten das chinesische Restaurant „Stockhausen“ befand, ist nun ein dunkelbrauner Beichtstuhl aus Polen, den Skuppin über das Internet ersteigerte. Darin können die Gäste künftig um Vergebung ihrer Sünden bitten – bei Papst Johannes Paul II., der per Videoeinspielung in Endlosschleife läuft.

„Waschmaschinewsky“, Bänschstraße 25, Friedrichshain. Wochentags ab 14 Uhr, am Wochenende ab 10 Uhr, bis jeweils 2 Uhr. Telefon: 4201 98 52

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