Berlin : Wasser-Mann Christophe Hug

-

Wasser ist zum Waschen da. Stimmt, aber man muss es auch wieder reinigen. Das und noch viel mehr im Geschäftsfeld Wasser besorgt seit 10. Juli 1995 in Deutschland für seinen großen französischen Konzern mit dem sanften Namen Veolia ein groß gewachsener, charmanter Elsässer vom Ufer des Rheins. Ein kleines Dorf war sein Zuhause, die Grenzen nach Deutschland und zur Schweiz vor der Tür, das Freibad drüben im Badischen, eine „grenzüberschreitende Jugend“, sagt Christophe Hug.

Rugby war damals sein Sport. Nach dem Abitur in Mulhouse folgten recht harte Jahre zur Vorbereitung auf ein Studium an einer der „Grandes Écoles“ am Lycée Kleber in Straßburg. Eine „Saure-Gurken-Zeit“ im Vergleich zu den folgenden „süßen Jahren“ in Paris an der ältesten französischen Ingenieurschule für Bauwesen und Wasserwirtschaft. Mit 22 war er schon Diplom-Ingenieur. Seine Abschlussarbeit behandelte unter anderem Public-Private-Partnership für die traditionsreiche Compagnie Général des Eaux. So hieß die private Firma vor dem Namenswechsel in Vivendi und später Veolia.

Für dies Haus ging er – zuerst als Volontär – nach Görlitz und Leipzig. Betriebsbesorgungen für Wasserwerke sind das Geschäft, Dienstleistungen also. Ende 1999 kam dann der große Coup, der Einstieg bei den Berliner Wasserbetrieben. Zusammen mit RWE halten sie 49 Prozent. Für ihn ist das Berliner Unternehmen „eines der besten der Welt“, was Qualität und Leistung betrifft. Dennoch will man überall weiter modernisieren. 250 Millionen Euro werden dafür jedes Jahr investiert, in die Leitungsnetze und die Abwasseraufbereitung. Die Situation der Stadt, die ihr Wasser aus dem eigenen Grundwasser gewinnt, ist für ihn als Wasserfachmann eine ganz besondere Herausforderung. Die Abwässer dürfen die Qualität des Trinkwassers im Boden nicht gefährden.

Die „lange Perspektive“ und Nachhaltigkeit sind für ihn Leitwerte. Stolz ist er deshalb auf die vier Millionen Euro für Forschung und Entwicklung sowie das Kompetenzzentrum Wasser in Berlin, das in der Wasserforschung einen internationalen Ruf hat. Gerne betont er das Millionen schwere, soziale Engagement, etwa für das Fernsehmuseum.

Die „raffgierigen Blutsauger“, als die sie bei der Teilprivatisierung seinerzeit angefeindet worden waren, streben eine vernünftige Rendite an. Bei 25 Milliarden Euro Umsatz weltweit 2005 war der Gewinn von 600 Millionen Euro eher bescheiden. Über steigende Wasserpreise, die viele Berliner ärgern, haben wir nicht gesprochen. Aber über die „viel, viel höhere Lebensqualität“ hier im Vergleich zu Paris. Deshalb wird Hug wohl die große Trikoloren-Kolonie in der Stadt noch lange Zeit verstärken. Mit seiner Lebensgefährtin – Ingenieurin auch bei ihrer Firma – und ihren beiden Söhnen wohnen sie in Leipzig. Hier in Berlin erhöht er die Liquidität der Hotellerie.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Christophe Hug (33),

Der Diplom-Ingenieur ist seit 1995

Vorsitzender der

Geschäftsleitung

Veolia Wasser GmbH, Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar