Wasserbetriebe : Berlin hat den Kanal voll

Wo stinkt's denn? Und warum ist hier alles so nass? Die Wasserbetriebe in Berlin wollen ein modernes Leitungssystem und suchen nach neuen Ideen.

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Das Gute kommt von oben. So schön kann Regenwassermanagement, hier am Potsdamer Platz, sein.
Das Gute kommt von oben. So schön kann Regenwassermanagement, hier am Potsdamer Platz, sein.Foto: promo/Atelier Dreiseitl

Der zurückliegende Sommer machte es wieder einmal deutlich: Nach langen Trockenperioden stinkt es mancherorts aus der Kanalisation. Regnet es umgekehrt heftig, finden die Wassermassen in den unterirdischen Rohren kaum Platz. Anfang August wurde deshalb ein ganzer U-Bahnhof, nämlich die Station Walther-Schreiber-Platz, überflutet.

Die Berliner Wasserbetriebe arbeiten nun mit der Technischen Universität und anderen Forschungsstätten an einer Lösung für das Problem. Das Bundesforschungsministerium finanziert das „Kuras“ (Konzepte für urbane Regenwasserbewirtschaftung und Abwassersysteme“) getaufte Projekt mit 3,5 Millionen Euro, eine weitere Million kommt von den Partnern. In den nächsten drei Jahren sollen konkrete Ideen erarbeitet werden.

„Eigentlich funktioniert die Berliner Kanalisation wie vor fast 150 Jahren“, sagt Andreas Hartmann, Chef des Kompetenzzentrums Wasser Berlin. Die Stadthygiene werde „weitgehend gewährleistet“, da es aber durch den Klimawandel immer häufiger Extremwetterlagen gebe, gerate das 10 000 Kilometer lange Rohrsystem unweigerlich an seine Grenzen. Nicht selten müsse das mit Regen verdünnte Schmutzwasser direkt in die Gewässer abgeleitet werden. „Wir suchen nun nach technischen Ideen, um das zu verhindern und die Spree und Innenstadtkanäle sogar mit Badewasserqualität auszustatten.“

Schon heute wird vielerorts versucht, das Regenwasser gar nicht erst in die Kanalisation eindringen zu lassen. Bestes Beispiel ist das große Regenwassersammelbecken auf dem Potsdamer Platz, das an heißen Tagen sogar noch kühlend wirkt. Die Berliner Wasserbetriebe haben ihr Gebäude an der Neuen Jüdenstraße in Mitte begrünt, so dass hier das Wasser 20 bis 40 Zentimeter auf der eigentlichen Dachfläche steht und langsam verdunsten kann. In anderen Stadtteilen gibt es große Wasserspeicher, die ähnlich wie die klassischen Regentonnen auf privaten Grundstücken funktionieren.

„Denkbar wäre auch, größere Regenwassermengen aus Zehlendorf beispielsweise nach Wilmersdorf zu pumpen und sie anschließend zurückfließen zu lassen“, meinte Professor Paul Uwe Thamsen von der TU Berlin. „Der Einsatz neuer Technik in der Kanalisation kann das ganze Wassersystem viel effektiver und wirtschaftlicher arbeiten lassen.“

Die im Forschungsprojekt gesammelten Vorschläge sollen sowohl Stadtplaner als auch Architekten und private Grundstückseigentümer erhalten. Möglicherweise fließen sie später sogar in Gesetze ein und gelten damit für ganz Deutschland.

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