Berlin : Wasserbetriebe drehten den Hahn zu

Das von der Wasserabsperrung bedrohte Haus Einemstraße des Eigentümers Degirmenci steht jetzt unter Zwangsverwaltung.

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Dies wurde nach Informationen des Tagesspiegels von der Bank Degirmencis betrieben. Für die Mieter dieses großen Blocks bedeutet das, dass der Zwangsverwalter die Strom- und Wasserrechnungen bezahlt - die Gefahr von Abstellungen ist dort also gebannt. In den anderen etwa zwei Dutzend Wohnhäusern der Firma Euroim in Berlin müssen die Mieter jedoch weiter mit der Angst vor abgestelltem Wasser und Strom leben. Gestern sperrten die Wasserbetriebe kurzfristig in zwei Häusern der Degirmenci-Immobilien-Firma die Versorgung: in der Torstraße 225 und in der Oudenarder Straße 21. Stephan Natz, der Sprecher der Wasserbetriebe, machte deutlich, dass das drastische Hahn-Abdrehen angesichts von 1,8 Millionen Mark Außenständen sehr wohl beabsichtigt war.

Die Bewag, die 800 000 Mark von dem verschachtelten Familienunternehmen von Kemal Degirmenci fordert, will am 3. Dezember in einigen Weddinger Häusern den Strom abklemmen. Sie hat die Stromlieferungsverträge gekündigt. Doch die Euroim hat den Bewag-Monteuren in den Weddinger Häusern Hausverbot erteilt - wogegen die Bewag nun vor Gericht vorgeht.

Die Leidtragenden wären die Mieter - nicht weil im Treppenhaus das Licht dann nicht mehr funktioniert, sondern weil die Heizungsanlagen Strom brauchen. Der Winter steht vor der Tür. Anfang des Monats mussten schon die Gäste des Hotels "Christiania" an der Osloer Straße ihre Zimmer mit dem Feuerzeug suchen. Das Licht war abgestellt.

Die Wasserwerke fordern 1,8 Millionen Mark von Degirmenci, die Bewag 800 000 Mark. "So ein Fall ist in dieser Größenordnung und so vielen Häusern selten", sagte Bewag-Sprecher Lemm. Die Summe habe sich in den vergangenen Jahren aufgeschaukelt, ab und zu habe Degirmenci wieder etwas gezahlt. Was die Bewag dann wieder in Sicherheit wog, wie der Stromlieferant eingesteht.

Auf der Euroim-Seite im Internet preist sich Kemal Degirmencis Firma "als größtes türkisches Immobilienunternehmen" in Berlin. Und als solches wird es seit Jahren von den Mieterverbänden beäugt. Schon vor drei Jahren warf die Berliner Mietergemeinschaft Degirmenci vor, seine Wohnungen bevorzugt bei schlecht deutsch sprechenden Türken an den Mann zu bringen. Zwei Mal wurde er vor Gericht wegen dieser Geschäftspraktiken verurteilt. In einem Fall hatte er einer türkischen Putzfrau eine Wohnung verkauft und ihr suggeriert, dass der notarielle Vertrag schon vor Darlehensbeantragung abgeschlossen werden müsse. Als die Frau dann von ihrer Bank keinen Kredit gewährt bekam, wollte sie den Kauf rückgängig machen. Mit Erfolg: Das Gericht urteilte, dass Degirmenci die Sorgfaltspflicht als Verkäufer verletzt habe. Das Rechtsamt des Bezirks Tempelhof-Schöneberg hat inzwischen Strafanzeige gegen die Euroim erstattet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue gegenüber Mietern.

Die Firma Degirmenci wollte gestern am Telefon keine Stellung nehmen. "Sie dürfen Fragen per Fax stellen. Und dann werden wir uns überlegen, ob wir die Fragen beantworten", hieß es dazu. (mit ot)

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