• Wasserbetriebe hatten erst kürzlich in der Karl-Liebknecht-Straße eine neue Leitung verlegt

Berlin : Wasserbetriebe hatten erst kürzlich in der Karl-Liebknecht-Straße eine neue Leitung verlegt

Jörn Hasselmann

Direkt neben dem am Sonntag geborstenen Wasserrohr hatten die Wasserbetriebe erst vor einem Jahr die Leitung ausgetauscht - prophylaktisch. Da die BVG in der Karl-Liebknecht-Straße neue Gleise verlegte, wurde vorher auf 15 Metern Länge das Jahrzehnte alte Grauguss-Rohr gegen ein modernes Edelstahlrohr ausgetauscht. Direkt hinter dem neuen Rohr platzte nun die alte Leitung, die die stark befahrene Straße zwei Meter tief unterspülte. "Das ist Pech", meinte ein Wasserwerker.

Wie berichtet, waren Sonntag früh etwa eine Million Liter Trinkwasser aus einem Leck in einer Hauptversorgungsleitung geströmt. Gegen vier Uhr hatte ein Mitarbeiter eines Schnellrestaurants die Feuerwehr gerufen, weil die Karl-Liebknecht-Straße langsam aber stetig überflutet wurde. Nach etwa einer Stunde gelang es dem Notdienst der Berliner Wasserbetriebe, das defekte Rohr, das die Straße diagonal quert, vom Netz zu trennen. Durch das Leck sank der Druck in den Häusern von Mitte lediglich von fünf auf drei Bar, wirklichen Mangel an Wasser gab es also nicht. Noch am Sonntagmittag wurde das 80-Zentimeter-Rohr auf 25 Metern Länge ausgetauscht. Da die nördliche Fahrbahn stark unterspült ist, werden Autos und Busse für mindestens eine Woche umgeleitet. Die BVG schickt die drei Linien 100, 157 und 348 über die Grunerstraße und Spandauer Straße in Fahrtrichtung Brandenburger Tor. Die Straßenbahn kann weiterrollen. In unmittelbarer Nähe der Gleise war das Jahrzehnte alte Graugussrohr in zwei Metern Tiefe geplatzt.

Der zunehmende Schwerlastverkehr und die vielen Bauarbeiten gelten als Hauptursache von Leckagen. Vor allem, wenn nach Tiefbauarbeiten die Erde um Wasserrohre nicht richtig verdichtet wird, sind Guss-Rohre in Gefahr. "Guss ist für die Ewigkeit - wenn man es in Ruhe lässt", heißt es bei den Wasserwerkern. "Ein wunderbares Material für Nebenstraßen", sagt Unternehmenssprecher Stephan Natz. Zwei Drittel aller Leitungen sind in Berlin noch aus Guss, nur zehn Prozent aus Stahl. Ein Austausch unter sämtlichen Hauptstraßen sei unbezahlbar.

Durch 7733 Kilometer Rohre fließt in Berlin das Frischwasser, von denen 250 000 Hausanschlüsse abzweigen. Über 80 Prozent des Netzes sind dünnere Versorgungsleitungen mit einem Durchmesser von 5 bis 30 Zentimeter. Die dicken Hauptleitungen haben einen Durchmesser von bis zu 140 Zentimetern. Das Durchschnittsalter liegt bei 50 Jahren, die ältesten Rohre liegen mittlerweile 130 Jahre unter dem Pflaster.

1998 zählten die Wasserbetriebe 1135 Schäden in dem Netz, zwei Drittel davon im Ostteil der Stadt. Jeden Tag rückt der Notdienst also zu durchschnittlich drei Leckagen aus - Tendenz sinkend. 1995 und 1996 hatte es jeweils um die 1500 Schäden gegeben. Etwa 500 Meter vom aktuellen Leck entfernt war im Januar eine komplette Kreuzung an der Mollstraße im Erdreich versunken.

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