Berlin : Wassermann Dieter Ernst

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Sauberes Wasser ist ein knappes Gut – und taugt deshalb auch zum Geldverdienen. Da sitzt in Berlin mit Blick auf das Rote Rathaus eine Schwester der Berliner Wasserbetriebe und sorgt mit weltweit über 2000 Beschäftigten – davon 35 in Berlin – für zuverlässig funktionierende Wasser- und Abwasserversorgung in Budapest, Brasilien, China oder Südafrika. Der Chef „vons Janze“ ist ein waschechter Berliner, am Nicolassee mit „Notstromaggregat“ während der Blockade geboren. „Ein durch und durch optimistischer Wassermann“, wie der besonnen argumentierende Jurist mit schmalem Kopf, Brille und kleinem Lippenbart von sich sagt. An eine glückliche und liebevolle Familie erinnert er sich. Die Mutter lebt heute noch im Elternhaus in der Nähe vom Kurfürstendamm. Ein neugieriger Mensch sei er immer schon gewesen, ein reger Opern- und Theaterbesucher und an Kunst Interessierter. Das nötige Kleingeld hierfür musste er sich mit Nachhilfestunden verdienen. Sein Vater, Ingenieur, war extrem spartanisch. 1968 begann er ein VWL- und Jura-Studium an der FU. Als Geschäftsführer des internationalen Netzwerks der Wirtschaftsstudenten (Aiesec) trieb es ihn mehrfach in ferne Länder, nach Burma, Thailand oder Indien.

Nach den Staatsexamina in Berlin startete der junge Jurist als Anwalt in einer Kanzlei. Mit 31 wurde er Staatsanwalt beim Landgericht in Berlin und danach Bezirksbürgermeister für die CDU in Tiergarten. Das hat ihm Spaß gemacht. Er hat damals „jede goldene Hochzeit“ besucht und den befreiten Brüdern und Schwestern aus dem Osten das Begrüßungsgeld ausbezahlt. 1989 hat er, „obwohl er einen guten Job gemacht“ hatte, „das erste Mal richtig verloren“, wie er sagt. Da war er dann nur noch Vizebürgermeister in Tiergarten. Auf Bitten von Eberhard Diepgen machte er von 1993 bis 1996 den ehrenamtlichen CDU-Generalsekretär. Danach wurde er Staatssekretär bei Wirtschaftssenator Elmar Pieroth. 1999 ging er endgültig „zu Wasser“ als Vorstand der just teilprivatisierten Berlinwasser Holding AG und als Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Berlinwasser International AG.

Mit ihr verkaufen sie Berlins international anerkannte Infrastrukturkompetenz in die Welt. Mit den bisherigen Erfolgen haben sie, sagt er, „einen Leuchtturm gesetzt“. Wasser und Abwasser bleiben ein großes Thema, bei uns, aber auch in Indien, Südamerika oder Afrika. Chancen zu sinnvollen Investitionen sieht er überall. So hofft der unverbesserliche Optimist – auch nach der jüngsten Absage aus Japan – auf hierfür geeignete unternehmerische „Eigentümer-Strukturen“.

Seine privaten Strukturen sind sehr intakt. Seine Frau, eine Studienrätin aus Uelzen, hat er an Napoleons Grab in Paris kennengelernt. Sie haben zwei Kinder und genießen ihr Taut-Haus in Zehlendorf. Und wer nicht aufpasst, den wirbt er noch als Förderer für das kleine Theater im Palais – sein TIP.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels. Siehe auch Bericht auf S. 21.

Dieter Ernst (57).

Der Jurist war Staatsanwalt, Bezirksbürgermeister in Tiergarten und Staatssekretär in Berlin. Heute ist er Vorstandsvorsitzender der Berlinwasser

International AG

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