Berlin : Wassermusik

Am Sonnabend steigt wieder das Gratis-Konzert „Energy in the Park“ am Wannsee. Herthas Stadionsprecher Fabian von Wachsmann hat das Ganze organisiert – und der Tagesspiegel verlost Karten

Björn Seeling

Menschen wie Fabian von Wachsmann brauchen Nerven aus Titan. Er ist der Ober-Organisator des Konzerts „Energy in the Park“, bei dem 30 000 Zuschauer sechs Stunden lang unterhalten werden wollen. Am kommenden Sonnabend lädt Radio Energy 103,4 zum zweiten Mal ins Strandbad Wannsee ein. Ein Heer von Helfern kümmert sich darum, dass es etwas zu sehen und zu hören gibt. Obendrein muss ein gutes Dutzend Popstars bemuttert werden – was kein einfacher Job ist, wie sich an der Erinnerung an das erste Konzert im vorigen Jahr zeigt.

R’n’B-Sänger Craig David war extra mit einer Privatmaschine eingeflogen worden. Für seine Garderobe hatte er eine Playstation geordert – von der er nicht mehr loszueisen war. „Sein Auftritt rückte näher und näher, aber Craig David machte keine Anstalten, auf die Bühne zu gehen“, sagt von Wachsmann. Am Ende ließ sich der Sänger doch überreden – zu einem Auftritt, der kürzer als vereinbart ausfiel.

Das sind Minuten, die ein Jahr Arbeit beinahe zunichte machen können. So lange hat die Vorbereitung gedauert. Auch für das 2004er-Konzert brüten Fabian von Wachsmann und sein Team schon seit fast einem Jahr über den Plänen. „Wir sind ja alles eigentlich keine gelernten Eventveranstalter“, sagt der Radiomann, der vor rund zehn Jahren bei Radio Energy begonnen hat. Nach Praktikum und Volontariat arbeitete er als Reporter, vor allem für den Sport, moderierte die Morgensendung und machte Comedy. Sein Faible für Sport führte ihn auch ins Olympia-Stadion – als Sprecher bei Hertha-Spielen. „Irgendwann bin ich dann beim Sender im Promotionfach gelandet“, sagt der 36-Jährige, der mit Frau und zwei Kindern in Friedenau wohnt.

Seither ist er beispielsweise ein ausgezeichneter Kenner der Berliner Lärmschutzverordnung. Nach 22 Uhr darf am Konzerttag kein Ton mehr aus den Lautsprecherboxen dringen – sonst setzt es herbe Strafen. „3000 Euro pro Minute kostet das“, sagt von Wachsmann. Überziehen à la Thomas Gottschalk ist daher absolut nicht drin – auch wenn Tausende noch so heftig „Zugabe, Zugabe“ fordern. 43 Sekunden vor Ultimo ging das Konzert im Jahr 2003 zu Ende. „Das war eine Zitterpartie, weil sich unser letzter Star verspätet hatte.“ Der hieß Ricky Martin. Anders als Kollege Craig David hatte der Latino-Popper aber nicht vor dem Auftritt rumgezickt, sondern tagsüber nur zu viel zu tun. Darüber muss er auch das Essen vergessen haben. Denn hinter der Bühne erkundigte er sich ganz artig, ob er nicht ein Brötchen habe könne.

Stars hin, Stars her – auch das Drumherum des Konzerts muss stimmen. Wie im vorigen Jahr steht die Bühne bei „Energy in the Park“ wieder im Wasser. Aufbauten, Technik und Stromversorgung sind auf zwei Pontons montiert, die dieser Tage vor dem Strandbad eintreffen. Sie machen etwa 50 Meter vor dem Ufer fest – nur dort ist das Wasser noch tief genug für die Plattformen. Damit die Zuschauer weiter hinten dennoch etwas auf der Bühne erkennen können, lässt von Wachsmann einen riesigen Bildschirm aufstellen. Außerdem gibt es einen Laufsteg, auf dem sich die Stars bis zu ihren Fans an Land vorturnen können. Auch an ein wichtiges Utensil hat Fabian von Wachsmann gedacht: an Autan. Denn mitten auf dem Wannsee wird aus jedem Teenie-Schwarm schnell ein MückenSchwarm.

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