Wasserpfeifen : Gefährlicher Duft

Der aromatische Shisha-Tabak ist bei Jugendlichen beliebt. Doch was sie da rauchen, wissen die wenigsten.

Antonie Rietzschel

Berlin - Wie bunte Schlangen winden sich die Schläuche für die Wasserpfeifen um das dunkle Regal. Für jedes Aroma gibt es eine eigene Pfeife. Erham Mert greift nach einer blauen, der nur für Apfel-Tabak gedacht ist. Um den Geschmack zu erhöhen, stopft er den Tabak in einen ausgehöhlten Apfel und legt diesen auf den Kopf der „Shisha“, wie Wasserpfeife auf Arabisch heißt. Der 21-Jährige ist im Café „Anu“ in der Boxhagener Straße für die Bestückung der Shishas zuständig.

Die Bar und ihren Zeremonienmeister gibt es seit letztem Oktober. Sie ist eine von 18 Shisha-Lokalen, die das Bezirksamt allein in Friedrichshain-Kreuzberg ermittelt hat. Die meisten sind erst in den letzten vier Jahren entstanden. Apfel, Erdbeere oder Melone – so aromatisch die Produkte der Tabakindustrie auch duften, dem Bezirksamt stinkt die Sache gewaltigt. Im Mai dieses Jahres erschien dessen Studie über den Wasserpfeifenkonsum von Jugendlichen in Friedrichshain-Kreuzberg. 1147 Mädchen und Jungen wurden dafür befragt. Heraus kam, dass 42 Prozent der 13- bis 15-Jährigen gelegentlich oder öfter an der Wasserpfeife ziehen. Dabei ist das für Unter- 16-Jährige verboten – und eine Shisha- Füllung enthält soviel Nikotin wie eine Packung Zigaretten.

Erham Mert sieht das entspannt: „Bei uns kommen nur Ältere rein, weil die Preise so hoch sind. Wer unter 16 ist, fliegt raus.“ Sechs Euro kostet eine gefüllte Shisha im „Anu“.

Das „Exespool“ ist nur eine Ecke weiter. In einer Ecke sitzt Tibor mit seinen Freunden. Er raucht fast jeden Abend den aromatisierten Tabak. „Ja klar bin ich abhängig, aber es ist eine ganz andere Abhängigkeit. Shisha, das ist purer Genuss.“ Der 23-Jährige hat keine Ahnung, was er da alles durch den Schlauch zieht. „In der Aufklärung tappt man ja bei der Shisha noch ziemlich im Dunkeln.“

Genau das will das Bezirksamt ändern. Bei Untersuchungen wurden Tabakverpackungen gefunden, die aus Ländern wie Ägypten oder Syrien importiert wurden und auf denen keine Silbe über den Nikotin-und Teergehalt verloren wird, Zusatzstoffe werden ebenfalls nicht erwähnt. Aus diesem Grund untersucht das Gesundheitsamt gerade Tabakproben auf Stoffe, die nicht hinein gehören. Unter anderem auch auf Glycerin, das den Tabak feucht halten soll. Bei Erhitzung setzt dieser Stoff das starke Nervengift Acrolin frei. Sein Anteil ist deshalb laut Tabakverordnung auf fünf Prozent beschränkt. Auf einer Shisha-Packung der Marke „Two Apple“ aber wird die Glycerin-Konzentration mit 20 Prozent angegeben.

Doch Tibor würde auch weiterrauchen, wenn er über alle gesundheitsschädlichen Wirkungen der Wasserpfeife Bescheid wüsste. „So wie sich andere Abends ein paar Biere genehmigen, genehmige ich mir eben meine Shisha.“ Das angekündigte Rauchverbot macht ihm keine Sorge: Er hat eine Wasserpfeife zuhause.

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