Berlin : Wasserpreis soll weiter steigen

Berliner Wasserbetriebe und Senat verhandeln über Erhöhung zwischen drei und vier Prozent

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Die Wasserpreise in Berlin werden voraussichtlich noch einmal erhöht. Nach Informationen des Tagesspiegels verhandelt die Wirtschaftsverwaltung mit den Wasserbetrieben (BWB) über eine Anhebung der Tarife zwischen drei und vier Prozent. Das Unternehmen, das zu 50,1 Prozent dem Land und zu 49,9 Prozent Veolia und RWE gehört, hat dem Vernehmen nach eine Erhöhung von sogar fünf Prozent beantragt. Angesichts der Tatsache, dass die Tarife seit Anfang 2004 bereits um 20 Prozent gestiegen sind, will der Senat diese Maximalforderung aber nicht erfüllen. Bisher hatten die Wasserbetriebe erklärt: Spekulationen über höhere Wasser und Abwasserpreise seien verfrüht.

Auch bei der Präsentation der Unternehmenszahlen für das Geschäftsjahr 2004 am Mittwoch machte BWB-Vorstandschef Jörg Simon keine Angaben zur künftigen Preisentwicklung. Als „absolut notwendig“ bezeichnete er eine Veränderung des Tarifmodells. Der Wasserpreis soll in einen Grund- und Verbrauchspreis aufgeteilt werden. Das neue Tarifmodell würde für Großkunden wie Industriebetriebe oder Wohnungsbaugesellschaften eine Entlastung bringen. Dafür würden Eigenheim- und Datschenbesitzer durch die Einführung des neuen Systems zunächst mehr zahlen müssen. Um wie viel konnte Simon nicht sagen, verschiedene Modelle würden derzeit diskutiert.

Auch die Industrie- und Handelskammer fordert die Einführung eines zweistufigen Tarifmodells. Derzeit verhandeln die BWB mit ihren Gesellschaftern über den möglichen Zeitpunkt der Umstellung. Um das neue Preissystem zum 1. Januar 2006 einzurichten, müsste bei der Aufsichtsratssitzung im September ein Beschluss gefasst werden. Bisher ist ein solches, bundesweit übliches System am Widerstand des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) gescheitert.

Der Jahresumsatz der BWB stieg um sieben Prozent auf 1,06 Milliarden Euro. BWB-Chef Simon führt dieses Ergebnis vor allem auf die Erhöhung der Wasserpreise von 15 Prozent im Januar 2004 zurück. Im Januar dieses Jahres wurden die Tarife um weitere 5,4 Prozent angehoben. An die privaten Gesellschafter Veolia und RWE wurde ein Gewinnanteil von 134 Millionen Euro abgeführt. Vom restlichen Jahresüberschuss in Höhe von 62,4 Millionen Euro fließen dem Land Berlin 35,8 Millionen Euro zu. 26,5 Millionen Euro verbleiben im Unternehmen.

Simon zufolge sind die vom Unternehmen beeinflussbaren Kosten seit 2000 um 30 Prozent gesenkt worden. Der strikte Sparkurs werde fortgesetzt. Das macht sich auch bei der Anzahl der Stellen bemerkbar. Ende 2004 beschäftigten die Wasserbetriebe mit 5210 Menschen zwar noch fast so viel wie Ende 2003. Doch die Zahl der Vollzeitstellen sank binnen Jahresfrist von 4977 auf 4787. In den nächsten fünf Jahren sollen weitere 60 Millionen Euro eingespart werden.

Der Wasserverbrauch pro Einwohner und Tag ist vergangenes Jahr gegenüber 2003 um 10 Liter auf 117 Liter zurückgegangen. Dadurch hat jeder Berliner 2004 im Durchschnitt 17,89 Euro monatlich für den Bezug von Trinkwasser sowie die Entsorgung von Schmutz- und Regenwasser ausgegeben. Das ist ein Euro mehr als im Jahr zuvor.avi/za

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