Wasserqualität in Brandenburg : Keine braune Flut im Spreewald

Greenpeace gibt nach dem Hochwasser vorerst Entwarnung. Die Brühe aus alten Tagebauen war weniger umweltbelastend als erwartet. Trotzdem fordert die Umweltorganisation den Ausstieg aus dem Braunkohleabbau.

Andreas Staindl
Glück gehabt. Bislang ist im Spreewald vom Rostschlamm der braunen Spree nichts zu sehen. Entwarnung gibt es aber noch nicht.Foto: Patrick Pleul/dpa
Glück gehabt. Bislang ist im Spreewald vom Rostschlamm der braunen Spree nichts zu sehen. Entwarnung gibt es aber noch nicht.Foto:...Foto: ZB

Es klingt beruhigend, was Niklas Schinerl am Donnerstag berichtete. Beruhigend für den Tourismus und die Wirtschaft im Spreewald, für die Menschen, die in und mit der Lagunenlandschaft leben. Das Hochwasser im Juni dieses Jahres hat die Verockerung der Spree nicht weiter vorangetrieben. Schinerl, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace, gibt dennoch keine dauerhafte Entwarnung. „Eisenhaltiges Wasser drängt weiter in die Fließgewässer rund um die Spree.“ Die Wuderitz bei Ragow (Oberspreewald-Lausitz) ist ein Beispiel dafür, quasi der Supergau, wie auch die Spree mal aussehen könnte. Das kleine Fließ, das Wasser aus dem wieder gefluteten Tagebaurestloch bei Schlabendorf (Dahme-Spreewald) führt, ist total verschlammt. Bis zu einem halben Meter, wie Schinerl sagt. Nur wenige Zentimeter Wasser stehen noch über dem rostroten Schlamm. Kahnfahrten sind dort nicht mehr möglich. Die Fährleute laden die Gäste ins Sammeltaxi und fahren sie vom Naturhafen in Richtung Spree. „Dort sind die Werte in etwa so, wie sie auch vor dem Hochwasser waren,“ sagt der Greenpeace-Experte. Ihm zufolge gibt es rostroten Schlamm in der Wuderitz seit vielen Jahren. „Doch der war nach ein paar Wochen immer weg.“

Das eisenreiche Grundwasser verschlechtert die Wasserqualität

Jetzt aber bleibt diese ockerne Masse. Und gefährdet das Ökosystem. „Wir haben tote Fische gefunden, Wasservögel, die im Schlamm gefangen waren“, warnt der Umweltaktivist. Seine Ergebnisse deckten sich mit denen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). „Das eisenreiche Grundwasser, eine Folge des Bergbaus, hat negative Folgen für die Wasserqualität des Spreewalds.“ Greenpeace hatte eigenen Angaben zufolge schon vor dem jüngsten Hochwasser Messproben hinter der Talsperre in Spremberg und an der Grenze zum Spreewald entnommen. „Unsere damaligen Laborergebnisse haben die erhöhten Werte der LMBV bestätigt“, sagt Schinerl. Er befürchtete: „Wenn wegen des Hochwassers die Talsperre entleert wird, spült es dort abgelagerten Schlamm mit und in den Spreewald.“

Greenpeace fordert Ausstieg aus Braunkohleabbau

An 100 Messpunkten haben Umweltaktivsten deshalb jetzt erneut Proben gezogen. Das Ergebnis des Schnelltests: Die Hauptspree ist nicht verockert, die Belastung noch nicht dramatisch. Offenbar hat sich die braune Brühe mit dem klaren Wasser vermischt. Auf diesen Effekt will Greenpeace nicht dauerhaft setzen. Die Umweltschutzorganisation fordert den Ausstieg aus dem Braunkohleabbau bis 2030. „Nur so lässt sich eine Ausweitung der Verockerung verhindern“, sagt Niklas Schinerl. Immer neue Tagebaue verschärften das Problem. „Zudem muss der Schlamm ausgebaggert und fachgerecht entsorgt werden. Bisher haben die eingeleiteten Maßnahmen der Brandenburger Landesregierung noch nicht gegriffen.“

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