Berlin : Wasserrohrbruch: 90 Tonnen Zement knallten auf die Straße

J. Hasselmann u. T. Schrimpf

Ein 90 Tonnen schweres Zementsilo ist gestern Mittag nach einem Wasserrohrbruch an der Kreuzung Seestraße auf die Müllerstraße in Wedding gestürzt. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden, vier Autos jedoch wurden durch aufgewirbelten Zement beschädigt. Die U-Bahn-Linie 6 wurde für eine Stunde gesperrt, weil die Feuerwehr den Einsturz der Tunneldecke befürchtete. Der Verkehr auf der Müllerstraße wurde an der Schulstraße sowie an der Barfusstraße umgeleitet.

Ursache für das Umstürzen des etwa fünf Meter hohen Silos ist der Bruch einer 20 Zentimeter dicken Frischwasserleitung unter der Baustelle. Um etwa 11.45 Uhr bemerkten Bauarbeiter den Rohrbruch und verständigten die Feuerwehr. Kurze Zeit später wurde der Bereich rund um die Baustelle für Fußgänger abgesperrt. Die Wassermassen unterspülten den Boden unter dem Silo und weichten ihn so auf, dass das Silo um etwa 12 Uhr begann, sich zur Straße hin zu neigen. Zwanzig Minuten später stürzte es der Länge nach exakt auf den Fußgängerüberweg an der Kreuzung.

Hunderte von Schaulustigen beobachteten das Geschehen. "Man konnte richtig sehen, wie das Ding langsam kippte", sagt eine Augenzeugin, "Stückchen für Stückchen wurde es immer schiefer. Und dann knirschte und krachte es nur noch. Es war richtig gruselig, wie das riesige, schwere Ding hingeknallt ist. Massenweise Zement wirbelte durch die Luft, die ganze Straße war voll davon. Gott sei Dank wurde die Straße rechtzeitig gesperrt, es hätte einige Tote geben können. Wenn da ein Auto gestanden hätte, das wäre platt gewesen." Es dauerte mehr als zwei Stunden, die Zementberge von der Straße zu fegen. Um 15.15 Uhr begann die Feuerwehr, das Silo mit einem Kran von der Straße zu ziehen. Die Feuerwehr vermutet, dass das Gewicht des Silos den Rohrbruch verursacht haben könnte. An der Baustelle des früheren "Alhambra"-Kinos entsteht hier das THX-Kino-Center, zurzeit wird das Fundament gelegt.

Da die Arbeiter der Wasserbetriebe bis zum gestrigen Abend nicht an die Bruchstelle herankamen, musste die Leitung gesperrt bleiben. Daher werden 200 Haushalte frühestens heute Morgen wieder Wasser in ihren Leitungen haben.

Die Züge der U-Bahn-Linie 6 fuhren von 12.45 bis 13.47 Uhr nicht zwischen Kurt-Schumacher-Platz und Wedding, die BVG richtete Ersatzverkehr ein. Die Omnibus-Linie 120 wurde umgeleitet. Am Nachmittag rechnete die Polizei damit, dass die Sperrung der Müllerstraße erst gegen 21 Uhr am Abend aufgehoben werden könne. Auch auf der Seestraße standen nicht alle Spuren zur Verfügung, den ganzen Nachmittag gab es lange Staus im Wedding.

Zuletzt hatte die BVG eine U-Bahn im November 1999 aus Angst vor einem Einsturz der Tunneldecke gesperrt. Damals drohte beim Abriss der Ruine des Hotels Adria, die Fassade auf die Friedrichstraße zu stürzen. Die Linie 6 fuhr damals einen Tag nicht. In solchen Fällen rächt sich, dass Berliner U-Bahn-Tunnel direkt unter dem Straßenpflaster liegen und nicht wie in anderen Städten tief unter der Erde.

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