Wasserschäden : Kosten für Sanierung des Bundesratsgebäudes fast verdoppelt

Im Gebäude der Länderkammer gibt es immer wieder Wassereinbrüche. Nun wird das Gebäude für nahezu 40 Millionen Euro aufwendig saniert.

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Das Gebäude des Bundesrates wird saniert.
Das Gebäude des Bundesrates wird saniert.Foto: Tim Brakemeier/dpa

Vor zwei Jahren hatten die Haushälter noch den Stöpsel gezogen wegen der ausufernden Kosten. Nun hat das Bundesfinanzministerium sich der Not gebeugt: Das Geld für die zweite Sanierung des Bundesratsgebäudes innerhalb von gut 15 Jahren ist „anerkannt“, wie es heißt – von ursprünglich geplanten 22 Millionen Euro haben sich die Kosten auf fast 38,5 Millionen Euro fast verdoppelt.

Bereits im Juli soll die neoklassizistische Fassade des „Preußischen Herrenhauses“ an der Leipziger Straße hinter einer 600 Meter langen „Bauzaunanlage mit Toren“ verschwinden – bis Ende des Jahres 2018 dauern dann die Arbeiten. Der aufwendig gestaltete Ehrenhof mit seinen würdevoll gestutzten Buchsbaumhecken und japanischen Azaleen wird gründlich umgepflügt.

Dies geht aus der „Vorinformation“ zur Ausschreibung der gewaltigen Bauleistungen durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) hervor. Demnach planen die Baumeister des Bundes „im laufenden Betrieb“ eine „Bauwerksabdichtung“ des Kellers in dem denkmalgeschützten Gebäude. Damit soll der Kampf gegen das steigende Grundwasser ein für allemal gewonnen werden, das den Schimmel im Untergeschoss des Bundesrates wuchern ließ.

Grundwasserspiegel sei stark gestiegen

Der BBR bestätigte die bevorstehenden Arbeiten auf Anfrage. Es sei zu „Schimmelbefall und Schadsalzausblühungen, verbunden mit Putz- und Farbablösungen“ gekommen. Dagegen habe man vor einiger Zeit „vorgezogene Maßnahmen“ ergriffen, Putz entfernt und pilzhemmende Beschichtungen aufgetragen. Um die Substanz des Baudenkmals aus dem Jahr 1904 aber langfristig zu erhalten, müsse der Keller nun komplett abgedichtet und außerdem eine Be- und Entlüftungsanlage eingebaut werden. Die neuerliche Sanierung sei erforderlich, weil seit den ersten Arbeiten am Gebäudes in den Jahren 1997 bis 2000 der „Grundwasserspiegel in Berlin stark gestiegen“ sei. Damals war der Altbau nach Angaben des Bundes für gut 100 Millionen Euro hergerichtet worden.

Bautechnische Meisterleistungen werden erforderlich sein, damit die Sanierung gelingt, während gleichzeitig die Ministerpräsidenten der Länder und andere Parlamentarier unter den Kuppelgewölben des Plenarsaals Gesetze beraten. Denn der Eingriff betrifft das Herzstück des Gebäudes, den Keller, vollgestopft mit aufwendiger Technik und allem, was zum Betrieb eines Bürogebäudes so gebraucht wird.

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Und der Eingriff ist gewaltig: Neben einem „Teilabbruch“ des bestehenden, 18 000 Kubikmeter großen unterirdischen Bauwerks soll auch der Neubau eines „Kellerbauwerks“ erfolgen, 3600 Kubikmeter groß. Außerdem müssen Abwasserleitungen mit einer Länge von knapp zwei Kilometern ersetzt werden, auch Trinkwasserrohre werden ausgetauscht.

27 Millionen Euro allein für die Kellerabdichtung

Die Anschlussrohre an die Versorgung mit Fernwärme und Fernkälte werden ausgetauscht. Eine besondere Herausforderung dürften aber die Eingriffe in die Beleuchtung und Sicherheitsbeleuchtung des Hauses werden, für die 32 Kilometer Kabel und Leitungen neu verlegt werden sowie die „De- und Montage der Medienanschlüsse“, wozu wiederum 30 Kilometer Medienkabel inklusive Provisorien ausgeschrieben wurden.

Dass „das Vorhaben endlich in Gang kommt“ freue ihn, sagte das Mitglied im Finanzausschuss des Bundestages Swen Schulz (SPD). Bereits im vergangenen Jahr habe eine erste Teilrate über zehn Millionen Euro im Bundeshaushalt gestanden, die „aber offenbar nicht abgerufen“ wurde. Insgesamt seien bis 2019 knapp 35 Millionen Euro eingestellt, 27 Millionen davon allein für die Kellerabdichtung. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung gibt sogar „Kosten in Höhe von rund 38,5 Millionen Euro“ an, die vom Bundesbauministerium beantragt und vom Bundesfinanzministerium „anerkannt“ worden seien.

Übrigens, der Keller des Berliner Abgeordnetenhauses, dessen rückseitige Wand an jene des Bundesrats grenzt, wurde vor 15 Jahren abgedichtet. Die Sanierung des Hauses selbst fand Anfang der 1990er statt. „Seitdem ist bei uns alles dicht im Hause“, sagt eine Sprecherin.

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